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Seyfried liest aus "Herero"

Von Jamal Tuschick

So verspätet wie die Reichsgründung anno 1871 waren die deutschen Kolonialträume. Sie liefen der europäischen Geschichte hinterher, auf ein glanzloses Ende zu, wie zum Beleg einer These von Karl Marx, derzufolge alle historischen Großereignisse zweimal stattfinden: zuerst als Tragödie und dann als Farce. Der desaströse Zusammenhang wurde vom kaiserlichen Engagement in Südwestafrika wie in einer Schmiede des Weltgeschehens zum weißglühenden Leuchten gebracht. Die teutonischen Kolonisten bildeten sich ein, ein herrenloses Land in Besitz zu nehmen. Die einheimische Bevölkerung kam in ihrer Wahrnehmung als "arme Schweine" vor. Gelegentlich mussten die Herrenmenschen auf sie anlegen, so wie 1904 beim Herero-Aufstand am Waterberg.

Davon erzählt Gerhard Seyfried in seinem 940 Gramm schweren, mehr als sechshundert Seiten starken Romandebüt Herero. Als der gebürtige Münchner des Jahrgangs 1948 unlängst mit dem Riemen an die Öffentlichkeit trat, war die Überraschung allgemein. Man kennt Seyfried als zeichnenden Chronisten der letzten subkulturellen Widerstandsnester in Berlin-Kreuzberg und Umgebung. Wer seine Website besucht, erfährt, dass sich der weltberühmte Cartoonist überdies zum "Militärberater" berufen fühlt.

Seyfried kam darauf in der Romanfabrik zu sprechen, wo er seinen Roman umstandslos vorstellte. Zunächst habe er den Gegenstand der Handlung bloß in einem Artikel abhandeln wollen, angeregt von einem Aufenthalt in Namibia. Ein Hang zur Gründlichkeit erzwang indes eine weitläufige Behandlung des Themas. Dazu gehörte ein Studium der Karthografie. Das absolvierte auch Carl Ettmann, der wichtigste Held des Romans. Ihn verschlägt es 1903 in die afrikanische Kolonie. Er bewährt sich dort im zivilen Umgang mit imperialistischen Sujets, die Seyfried aus verbürgten Begebenheiten - mit zurückgestutzten aufklärerischen Absichten - destillierte. "Ich wollte nicht romantisieren."

Eine Rolle im Roman spielt auch die Fotografin Cecilie Orenstein. Sie bereist Afrika mit dem Auftrag, einen animierenden Bildband zusammenzustellen. Mutig aus Unkenntnis, wagt sie sich in ein Gebiet, das bald zum Kriegsschauplatz wird.

Seyfrieds Sprache ist nicht besonders ausgesucht, er traut Allerweltswendungen die Kraft zu, seine Geschichte voranzutreiben. Als Erzähler zieht er die größten Profite aus seiner Freude am historischen Detail. Über den Faktenreichtum kann man staunen, so wie zuletzt das Publikum in Frankfurt. Gelegentlich zeigte es sich zur Heiterkeit aufgelegt, zumal wenn der Humor des Zeichners auch den Schriftsteller Seyfried auszeichnete.

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