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Sie behält die Fäden in der Hand: Denise Mina. 

Kriminalroman

Denise Mina: „Klare Sache“ – Der Follower, der Auftragskiller

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„Klare Sache“, ein Kriminalroman von Denise Mina, beschäftigt sich unter vielem anderen auch mit Podcasts.

„Klare Sache“? Einen Scherz erlaubt sich womöglich mit diesem deutschen Titel Else Laudan, Verlegerin der Ariadne-Krimireihe im Argument-Verlag, denn die Schottin Denise Mina schreibt in „Conviction“ (eigentlich „Überzeugung“ oder „Verurteilung“) so gar nicht über klare Sachen. „Klare Sache“ ist ein Kriminalroman mit einer verwickelten Handlung und vielen Schichten, nicht zuletzt, weil ein (kursiv gesetzter) True-Crime-Podcast darin eine erhebliche Rolle spielt.

Diesen Podcast hört Anna McDonald – sie liebt Podcasts – und stellt plötzlich fest: den Mann, von dem da auch die Rede ist, kennt sie. Vielmehr hat sie ihn vor Jahren flüchtig gekannt, als sie in einem Vielsterne-Hotel jobbte, in dem er Gast war zusammen mit einer Frau, die ihn offenbar so anödete, dass er lieber mit der Angestellten draußen stand, redete und rauchte. Er und seine beiden Kinder sollen auf einem Boot, der „Dana“, ums Leben gekommen/ermordet worden sein. Eine junge Frau wurde dafür verurteilt und sitzt im Gefängnis.

Aber war es die Schiffsköchin? Der Podcast „Der Tod und die Dana“ weckt Zweifel. Und Anna McDonald, die eigentlich Sophie Bukaran heißt und eine Ich-Erzählerin mit frecher, lakonischer Schnauze ist, will irgendwann nicht mehr nur zuhören. Gerade hat sie ihr Mann Hamish wegen einer anderen verlassen, die beiden Töchter fahren mit ihm und der Neuen in Urlaub ... warum also nicht ein bisschen recherchieren, um der Trennungs-Depression zu entgehen? Wenn sie nur nicht Fin, Anorektiker, Musiker und eine mittelgroße Berühmtheit, am Bein hätte: Fin ist (noch) mit der Neuen verheiratet, heult Anna/Sophie was vor und möchte mit. Seine Penetranz wird sich später als nützlich herausstellen.

Dann gibt es noch die Geschichte, warum Sophie Bukaran unter anderem Namen lebt. Das hat mit betrunkenen, gewalttätigen Fußballern zu tun. Und die Geschichte, warum dubiose, „stämmige Männer in dunkler Kleidung“ Fin und ihr folgen. Der Rocker macht es ihnen leicht, er hat, auch wegen seiner Magersucht, in den Sozialen Medien zahlreiche Follower, er ist außerdem ein hemmungsloser Facebook- und Sonstwas-Poster. Der Weg der beiden ist also ziemlich gut nachzuverfolgen. Und der Weg wird bald ein Fluchtweg.

Denise Mina: Klare Sache. Aus dem Englischen von Zoë Beck. Ariadne, Hamburg 2019. 346 S., 21 Euro.

„Klare Sache“ ist also ein wildes, sprunghaftes Buch – allerdings gelingt es Denise Mina, die vielen disparaten Themen (Promis, die von Fans belästigt werden, hohe Investitionen in Fußballclubs, Steuerbetrug, Prekariat und Protz) lässig zu integrieren. Es hilft, dass ihre Figuren glaubwürdig sind, aber doch auch mit kräftigem Strich gezeichnete Typen. Die ehemalige Schönheit, die inzwischen einfach nur Haltung zu bewahren versucht, der Auftragskiller, der sich betrinkt und dann eine schrecklich traurige Geschichte erzählt: Sie sind so originell wie einprägsam und sind trotzdem keine Schwarz-weiß-Charaktere. Nicht einmal der blöde Hamish ist es, der Annas beste Freundin geschwängert hat.

„Klare Sache“ ist ein so wildes Buch, dass die Rezensentin zwei, drei Mal zurückblättern musste, um etwas nachzulesen. Aber es ist wahrscheinlich auch der allererste Krimi überhaupt, der sich mit dem jungen Format der Podcasts auseinandersetzt und es äußerst pfiffig einbaut.

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