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„Dachs und Stinktier“

Das ist die Macht der Ukulele

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Amy Timberlakes so witzige wie raffinierte Geschichte von „Dachs und Stinktier“.

Der Dachs ist ein einsamer Gelehrter – Steine sind sein Fachgebiet, „Diplom, drei blaue Ehrenschleifen und jede Menge Veröffentlichungen“ –, der Einzug des Stinktiers im geräumigen Haus der gemeinsamen Tante verärgert ihn prinzipiell und im Einzelnen. Das Stinktier ist so quirlig, so penetrant leb- und sprunghaft, und auf den ersten Blick erscheint „Dachs und Stinktier“ damit als klassischer Beitrag zur Kinderliteratur und auch Filmkomödienproduktion: Zwei Leute – wenn man Dachs und Stinktier kurz so nennen darf –, die sich nicht verstehen, aber durch die Umstände (Tante Lula) zu einem gemeinsamen Alltag gezwungen werden. Erfahrene Leserinnen und Leser von 6 bis 106 ahnen, dass man sich arrangieren wird.

Es ist aber doch eine ganz besondere und besonders kesse Geschichte, die die US-Amerikanerin Amy Timberlake sich ausgedacht hat. Entscheidend – und die Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn trägt das ausgezeichnet mit – ist dabei, dass Dachs und Stinktier Menschen sind wie du und ich, und erwachsener, als es bei Tieren im Kinderbuch üblich ist.

Ein Stinktier, das im Bett Shakespeares „Henry V“ liest und gerne mit einem Dachs darüber reden würde, das ist schon selten. Das Stinktier hat Niveau, als kleines Tier aber auch Probleme. Der Dachs, ein Trumm neben ihm, ruht in sich und ist auch nicht dumm, nur eben zu spezialisiert (auf Steine), um sich für „Henry V“ zu interessieren.

Buchinfo

Amy Timberlake: Dachs und Stinktier. A. d. Engl. v. Uwe-Michael Gutzschhahn. Ill. v. Jon Klassen. cbj. 144 S., 16 Euro.

Expertise und die eigene Engstirnigkeit, die sie mit sich bringen kann, ist an sich gar kein Kinderproblem. Erwachsene, die das Glück haben, „Dachs und Stinktier“ vorlesen zu dürfen, kommen aus dem Kichern kaum mehr raus. Einmal entspannt sich der Dachs bei Ukulelespiel. „Das ist die Macht der Ukulele“, stellt er fest.

Unterm Strich nimmt Timberlake jedoch vor allem die Kinder ernst, die hier über Unlogik, Charme, Zuneigungsbedürfnis von Erwachsenen staunen dürfen. Zur Eskalation der Reibereien gehört eine aufgeregte Hühnerschar, die das Stinktier mit ins Haus bringt. Vielleicht ist es insofern am ehesten ein „Wallace & Gromit“-Humor, der im Raum steht, und die Hühner wären die Schafe.

Amy Timberlake hat sich aber gut vorbereitet. Dachs und Stinktier verbringen ihre Zeit mit Steinstudien und Shakespearelektüre, aber wenn es eng wird, sind sie auch definitiv Tiere. So stellt es sich auch auf Jon Klassens messerscharfen Zeichnungen dar. Denn das will („Wallace & Gromit“!) bei allem Sprachwitz hin zur Bebilderung.

Aber so vielschichtig ist das Buch auch, dass die finale Bitte um Entschuldigung – der Dachs braucht ein Pardon, er ist zu weit gegangen, das ist Fakt – nicht nur wegen der Großbuchstaben imponiert. Kindern und Erwachsenen, Erwachsenen und Kindern könnte an dieser Stelle dämmern, dass eine solche Geste manchmal am Platze ist: eine Entschuldigung ohne Wenn und Aber. Ab 6 Jahren.

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