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Könnte dieser alte Anker von der Titanic stammen?
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Könnte dieser alte Anker von der Titanic stammen?

„Simonelli“

Danis Pfabe „Simonelli“: Nichts als Attrappen

  • VonBjörn Hayer
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Eine Waffe, die ins Verderben führt: Denis Pfabes rasanter Thriller „Simonelli“ erzählt vom Scheitern an der Gier.

Bei manchen Büchern läuft direkt ein Film im Kopf ab: Verfolgungsjagden, Schießereien, verruchte John-Wayne-Typen. Obgleich auch der Protagonist in Denis Pfabes zweitem Roman „Simonelli“ in dieses Setting passt, fehlt es ihm an einem, was den meisten Helden zum Erfolg verhilft, nämlich das finale Quantum Glück. Wie das der Story vorangestellte Motto „Failure is always an option“ darlegt, ist stattdessen das Scheitern Programm.

Dass sich der Zitategeber Adam Savage vor allem auf dem Gebiet von kinematografischen Spezialeffekten einen Namen gemacht hat, dürfte kein Zufall sein. Denn auch die titelgebende Hauptfigur in der Geschichte des 1986 in Bonn geborenen Autors ist als Attrappendesigner tätig. Als er zu Beginn für einen Filmdreh nach England reist, treibt ihn nicht nur sein Auftrag an, den Anker der Titanic zu rekonstruieren. Vielmehr sinnt er auf einen lukrativen Coup.

Erst vor Kurzem fiel ihm eine besondere Pistole in die Hände, die einst einem bekannten japanischen General gehörte und nun für eine veritable Summe einem ominösen Interessenten übergeben werden soll. Doch auch andere und wahrlich nicht nur betuchte Sammler haben es auf die Rarität abgesehen. Erwartungsgemäß folgt ein Thriller mit allen notwendigen Zutaten, darunter Bandenkriege, Mord und eine kurze Lovestory. Die Erlösung bleibt für den letztlich der Gier verfallenen Simonelli allerdings aus.

Das Buch:

Denis Pfabe: Simonelli. Roman. Rowohlt Berlin, 2021. 288 Seiten, 22 Euro.

Ähnlich seinem virtuosen Debüt „Der Tag endet mit dem Licht“ reichert Pfabe auch sein aktuelles Werk mit Komponenten des Krimigenres an und baut die spannungsgeladene Handlung handwerklich zuverlässig um ein Rätsel. In seinem Erstling war es die Bedeutung eines arkanen Kunstwerks, nun ist es das Geheimnis um einen sagenumwobenen Revolver.

Täuschung als Leitmotiv

Worin sich die Texte unterscheiden, lässt sich an der ästhetischen Qualität festmachen. Gewiss zeigt der Schriftsteller erneut ein Bewusstsein für Stilistik und Bilder. So bringt etwa der Beruf des Protagonisten als Attrappenproduzent von Anfang an die Täuschung als Leitmotiv in den Plot. Dass er einen zuletzt zu Bruch gehenden Anker bauen soll, vermittelt überdies die Sehnsucht des unsteten Charakters nach Ankunft und Heimat.

Trotzdem gelingt es Pfabe diesmal nicht, eine souveräne Komposition zu erstellen. Hinzu kommt ein häufig klischiertes Personal: Eine Geliebte wie aus „Bonnie und Clyde“, ein kopfloser Killer wie aus einem Sylvester-Stallone-Film, ein Bösewicht à la Dr. No. Und damit die Hauptfigur Profil erhält, ringt sie – etwas künstlich eingeschoben – um die versäumte väterliche Fürsorge für eine unbekannte Tochter. Diese Geschichte erweckt also den Anschein, als wäre sie zumindest teilweise anhand eines Rezepts aus der Hollywood-Kantine geschrieben worden.

Obgleich artistische Finessen in Form und Sprache somit etwas zu kurz kommen, mindert das nicht unbedingt das Lesevergnügen. Wir haben es immerhin mit einem rasanten Unterhaltungsroman im besten und einfachsten Sinne zu tun. Sein Bonus ist eine dichte Atmosphäre, voller Rauch, Einsamkeit und Fatalismus.

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