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In der Coronakrise beliebt: Usedom an der Ostsee.
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In der Coronakrise beliebt: Usedom an der Ostsee.

Buchbranche

Corona: Reisebuchverlage erholen sich von der Krise

  • Petra Zeichner
    VonPetra Zeichner
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Besonders Titel zu Reisezielen in Deutschland und Europa verkaufen sich gut.

Im Gegensatz zur Reiseliteratur im Allgemeinen – Einbruch um rund 26 Prozent im vergangenen Jahr – hatte der Düsseldorfer Droste Verlag im Besonderen mit der Corona-Krise nicht zu kämpfen. Der Verlag setzt mit seinem Programm vor allem auf lokale und regionale Reiseführer mit spezieller Ausprägung. „Glücksorte“ in vielen Städten Deutschlands gilt es darin zu erkunden.

„Wir hatten deutlich mehr Umsatz“, sagt Verlagsleiter Jürgen Kron. „Es war mit Abstand das beste Jahr in der Verlagsgeschichte.“ Doch ausschließlich auf die Corona-Pandemie, die die Menschen in Deutschland in die heimischen Gegenden und Städte zwang, führt er den Aufschwung nicht zurück. „Das Thema Heimat wird auch unabhängig von Corona immer mehr entdeckt. Wir hatten schon vor dem Pandemie-Jahr 2020 festgestellt, dass die Umsätze steigen.“

Orte des Glücks haben andere Reisebuchverlage während der Lockdowns zwar nicht gefunden. Doch beginnt sich die Stimmung dort zu bessern. „Seit Mitte Mai steigt die Nachfrage nach unseren Reiseführern mit Schwerpunkt Deutschland und Europa wieder kräftig an. Das ist nach den traurigen Umsätzen in den letzten Monaten nicht nur für uns erfreulich, sondern auch für den Buchhandel“, sagt Corinna Brauer, Sprecherin des Michael Müller Verlags. „Wer sehnt sich nach den Monaten der Entbehrungen nicht danach, unter Leuten zu sein?“ Trotzdem will sich der Erlangener Verlag bei den Neuerscheinungen vorerst auf Nahziele wie Spreewald, Texel oder den Chiemgau konzentrieren. Denn auch hier hat man die Erfahrung gemacht, dass das Regionale beliebt ist. „Unser Reiseführer zur Fränkischen Schweiz war nach einem Jahr bereits ausverkauft“, so Brauer. Auch Reiseführer zur Ostseeküste oder Mecklenburgischen Seenplatte seien stark nachgefragt. Aber geplante Erstauflagen im Fernreisebereich sind in die zweite Jahreshälfte 2022 verschoben.

Es gilt: flexibel sein

Auch bei Platzhirsch MairDumont (DuMont Reiseverlag, Marco Polo, Lonely Planet und andere) hat man die Erfahrung gemacht: „Neben den starken Deutschland-Titeln werden wieder mehr Europa-Titel verkauft“, sagt Geschäftsführer Steffen Rübke. Fernreisen verharrten indes auf niedrigem Niveau seit Anfang der Pandemie. Und da niemand weiß, wie sich das Pandemie-Geschehen entwickelt, lautet das Rezept für die kommende Zeit: flexibel sein.

So will man bei MairDumont versuchen, die Reisebegeisterung zu unterstützen, bei gleichzeitig immer noch schwer erreichbaren Destinationen. „Selbst wichtige Reiseländer wie Spanien oder Griechenland sind momentan als Risikogebiete eingestuft, sodass unsere Autoren nur begrenzt unterwegs sein können“, sagt Rübke. So sollen die Deutschland-Titel ausgebaut werden, außerdem passt man sich dem pandemiebedingt veränderten Arbeitsverhalten an. Ins Verlagsprogramm gekommen sind deshalb beispielsweise die „Feierabend-Eskapaden“ in Berlin, Hamburg, Frankfurt und anderswo. Rübke: „Gerade durch vermehrtes Homeoffice werden Auszeiten nach Feierabend immer wichtiger.“ Doch auch die international etablierten Titel sollen aktualisiert werden, und „die eine oder andere Neuerscheinung“ wage man auch.

Zurück zum Glück. Beim Erkunden der Gegenden vor der eigenen Haustür setzt der Droste Verlag nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie. „Wir verzichten auf technische Angaben. Hotels, Angaben zum Öffentlichen Personennahverkehr oder die Museen einer Stadt werden Sie darin nicht finden“, so Verlagsleiter Kron.

Stattdessen gibt es Orte, die glücklich machen (können). Ein gewollt subjektives Erleben der Autorinnen und Autoren – Wo gibt es die beste Schokolade? Wo wachsen schöne Blumen? – wird auf jeweils zwei Seiten mit den Betrachterinnen und Betrachtern geteilt: eine für den Text, eine für das Foto. „Alles ist sehr emotional“, so Kron. Und das ebenfalls in der Reihe mit dem sehnsuchtsvollen Titel „Wandern für die Seele“ – auch diese natürlich regional.

Jedes Jahr kommen etwa 30 neue „Glücksorte“ und circa 20 „Wandern für die Seele“ dazu. Gehen dem Verlag nicht langsam die beseelenden Orte in Deutschland aus? Jürgen Kron lacht. „Deshalb geht es seit einiger Zeit auch ins Ausland.“

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