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Cornern mit MC Fitti

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Sehr begehrt: Selfies mit MC Fitti.
Sehr begehrt: Selfies mit MC Fitti. © dpa

„Hallo, ihr Lesefüchse. Wollen wir zusammen cornern?“ Der Rapper MC Fitti tut auf der Buchmesse so, als würde er vorlesen.

Wenn der Hip-Hopper MC Fitti sein allererstes Buch vorstellt, dann herrscht Alarm auf der Buchmesse. Sicherheitsleute versperren den Gang. Bleibt ein Besucher stehen, weisen die Schwarze-Anzug-Träger ihn zurecht. „Bitte weitergehen!“

Der elfjährige Jonathan Rossbach hat es trotzdem ins Rondell geschafft. Er war früh dran. Die Musik des Rappers findet er gut. Auch dass MC Fitti dieselbe Sprache spricht wie junge Leute. „What’s App“ etwa komme in den Liedtexten häufig vor. Das Buch des Rappers „Aus meinem Auspuff kommt Konfetti“ hält Jonathan zum Signieren bereit.

Gleich wird der Rapper mit Rauschebart und Sonnenbrille auf die Bänke springen. Aber vorher steuern drei schwergewichtige Sicherheitsmänner auf Jonathan zu und verweisen ihn des Platzes. Die vordersten Sitze haben frei zu bleiben.

Nora und Annabelle, beide 14 Jahre alt, sind zum Fotografieren hier. Den Spaßrap von MC Fitti hören sie nicht so gerne. Auch für die 14-jährige Luisa ist die anstehende Lesung nur eine Station auf ihrem Weg über die Buchmesse. Sie macht Fotos. Wie eigentlich jeder hier.

Ein Sprung, und MC Fitti steht auf der Bank. „Hallo, ihr Lesefüchse. Wollen wir zusammen cornern?“ „Cornern“, weiß im Publikum jeder, leitet sich vom englischen Wort für Ecke ab. Nur als Verb. In der englischsprachigen Welt sagt zwar niemand „I corner“. So wie in Deutschland niemand sagt „Ich ecke“. „Wollen wir cornern“ klingt hingegen super. MC Fitti cornert also gelassen mit seinen Sonnenbrille tragenden, plauzebäuschigen Kumpels MC Katzenmaske, MC Izzo und Vokalmatador. Dabei blättern sie wild im Büchlein hin und her. Es ist interaktiv – wie einst die Rollenspiele. Wer Seite 41 liest und „gar nichts mehr rafft“, soll auf Seite 52 weiterlesen. „Wie lange hat es gebraucht, bis dein Bart so gewachsen ist“, will jemand aus dem Publikum wissen. „Sehr gute Frage“, meint MC Fitti. „Blättern wir mal auf Seite 28.“ Der Rapper heißt eigentlich Dirk Witek, ist gelernter Elektriker und hat als Bühnenbildner gearbeitet. Die meiste Zeit seiner Ausbildung habe er mit Bleistiften auf Wände gemalt. Wo die Steckdose hin soll, und die Leitungen. Unter Tapeten versteckten sich noch viele seiner alten Gemälde. Wenn mal die Erde bebe, kämen die alle wieder zum Vorschein.

Die vier singen dann noch den Refrain des Hits „30 Grad“: „Flamingos und Flipper. Sonnenbrille auf und rein in die Slipper.“ Dann wollen sie weiter. Jonathan kriegt noch ein Autogramm. Die Gorillas lassen ihn durch.

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