Cornelia Koppetsch auf der Frankfurter Buchmesse 2019.
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Cornelia Koppetsch auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

Plagiat

Wort für Wort

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Ein Bericht weist Cornelia Koppetsch an 117 geprüften Stellen 111 Plagiate nach.

Ihr Buch „Die Gesellschaft des Zorns“ über „Rechtspopulismus im globalen Zeitalter“ war im vergangenen Jahr für viele Kritiker eines der wichtigsten Sachbücher der Saison, eine gelungene Verbindung von gesellschaftlicher Analyse und Alltagsbeobachtung. Die „Süddeutsche Zeitung“ etwa sah in Cornelia Koppetschs Buch eine Gegenwartsanalyse von ungeheurer Wucht, die den Rechtspopulismus als Antwort auf die nicht bewältigte Globalisierung verstehe.

Abgeschwächte Wucht

Gerade diese Wucht hat nun aber einiges an Kraft eingebüßt. Laut eines Prüfungsberichts der TU Darmstadt werden in zwei Büchern und vier Aufsätzen, die die Soziologin Cornelia Koppetsch seit ihrem Arbeitsantritt an der TU Darmstadt im Jahr 2009 verfasst hat, 111 von 117 geprüften Stellen als „Plagiate bzw. Verstöße“ eingestuft. Die Präsidentin der TU Darmstadt, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität, sehe sich als Dienstvorgesetzte veranlasst, ein Disziplinarverfahren gegen Koppetsch einzuleiten.

Das ist ein gravierender Vorgang, nicht nur für die Autorin, sondern auch für ein mutmaßlich getäuschtes Lesepublikum, das sich ja gerade von einer wissenschaftlichen Arbeit ein hohes Maß an Transparenz und Plausibilität erhofft. Der Fall Koppetsch war im November 2019 öffentlich geworden, nachdem die Jury des Bayerischen Buchpreises den Titel „Die Gesellschaft des Zorns“ kurz vor der Preisverleihung von der Liste der möglichen Kandidaten gestrichen hatte.

Der Plagiatsexperte Gerhard Dannemann hat sich Koppetschs Arbeiten angesehen und äußerte sich am Mittwoch in der Sendung „Fazit“ auf Deutschlandradio Kultur zu den Vorwürfen. „Da gibt es Plagiate, da wird die Quelle gar nicht genannt und trotzdem wird der Text oder der Text dem Sinn nach wiedergegeben. Dann gibt es welche, da wird die Quelle irgendwo genannt, auch im Kontext. Aber es werden beispielsweise lange wörtliche Zitate nicht ausgewiesen. Oder die Autorin stellt nicht klar, dass nicht nur ein Absatz oder ein Satz aus dieser Quelle stammt, sondern viel, viel mehr – vielleicht die ganze Seite.“

In ihrer Pressemitteilung stellt die Universität Darmstadt zur Bewertung klar, dass es sich im gegebenen Fall nicht um universitäre Qualifikationsschriften, sondern um Publikationen einer aktiven Wissenschaftlerin und Professorin handle, die in verschiedenen Textgattungen und auch publizistisch tätig ist. „Aus Sicht der Untersuchungskommission erwächst daraus jedoch kein Grund, die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu lockern. Wissenschaftliche Publikationen können – und müssen – unabhängig von der gewählten Textgattung (etwa ‚Sachbuch‘) oder etwaigen Verlagsanforderungen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis gerade auch bei der Kennzeichnung der Übernahme von Textpassagen bzw. korrekter Zitation sehr wohl wahren.“

Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, wollen sich weder die Universität noch die Autorin weiter zu den Vorwürfen äußern.

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