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Paparazzi kommen gar nicht gut weg in Rowlings Roman.
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Paparazzi kommen gar nicht gut weg in Rowlings Roman.

Joanne K. Rowling: The Cuckoo's Calling

Cormoran und Robin

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Joanne K. Rowling, Erfinderin von Harry Potter, dem Zauberlehrling, der alle Rekorde brach, schreibt unter anderem Namen den etwas altmodischen, grundsoliden Detektivroman "The Cuckoo's Calling".

Wenn der Kuckuck ruft, so ein Volksglaube, soll man mit dem Kleingeld klimpern, dann geht es einem nie aus. Zu einer wundersamen Vermehrung kam es nun tatsächlich, das Klimpern war in diesem Fall virtuell: eine Twitter-Nachricht. Blitzschnell wurde daraufhin in Großbritannien der gerade noch bei einer vierstelligen Auflage verharrende Kriminalroman "The Cuckoo's Calling" nachgedruckt; nicht als Taschenbuch, sondern als teurere gebundene Ausgabe (sphere, circa 23 Euro).

Bei Amazon stand das Buch schnell in der Bestseller-Liste, wo es gewiss nicht gelandet wäre, hätte nicht jemand, auf den Joanne K. Rowling nun angeblich stinksauer ist, getwittert, wer sich hinter dem Autorennamen Robert Galbraith verbirgt.

Rowling, Erfinderin von Harry Potter, dem Zauberlehrling, der alle Rekorde brach, muss kein Geld mehr verdienen in diesem Leben - der explodierende "Cuckoo"-Erlös soll, hat sie nun bestimmt, komplett an Kriegsveteranen gehen. Vermutlich wollte sie es einfach noch einmal wissen: Wie man mit ihr umgehen würde als "unbekannter Autor", wie man sie lesen und rezensieren würde, ganz ohne Voreingenommenheit, Medienhype, Hysterie.

Bestimmt hat sie damit gerechnet, als "Robert Galbraith" keine großen Aufmerksamkeitswellen zu machen. Bestimmt wäre es ihr recht gewesen. Der Krimi-Markt ist riesig, auch mancher exzellente Roman geht gnadenlos unter. Und sie ist zwar eine gute Autorin, aber spektakulär ist ihr Schreiben nicht. Vielleicht wollte sie einfach einmal wieder in Ruhe ein Buch, ein ganz normales Buch veröffentlichen können.

Wie es ist, keinen Schritt tun zu können, ohne dass die Öffentlichkeit wie ein Höllenhund nach den Fersen schnappt, das ist eines der Themen von "The Cuckoo's Calling". Bereits im allerersten Satz wird das Stimmengewirr von wartenden Fotografen (als "paps", kurz für "paparazzi", tauchen sie später nur noch auf) mit dem Brummen von Fliegen verglichen.

An einer Stelle des Romans wird, das liegt nahe, an Lady Di und ihren tödlichen Unfall erinnert. Und die Hauptfigur des Romans ist, obwohl sie doch sofort zu Tode kommt, das bildschöne, hochberühmte, von Paparazzi belagerte schwarze Model Lula Landry: "Robert Galbraith" lässt sie geradezu auferstehen aus den Erinnerungen und Aussagen ihrer Familie und Freunde.

Die Paparazzi sind gerade abgezogen, da stürzt Lula Landry vom Balkon ihres Luxusappartements in den Tod. Die Polizei untersucht die Sache recht skrupulös - der öffentliche Druck! - und schließt den Fall als Selbstmord ab. Daraufhin sucht sich Lula Landrys Bruder, er glaubt selbstverständlich nicht an Selbstmord, einen Privatdetektiv, der alles nochmal nachrecherchieren soll.

So weit, so konventionell. Galbraith/Rowling hat auf eine Konstruktion zurückgegriffen, die etwas Altmodisches hat: Der moderne Kriminalroman, soweit er nicht auf Gaudi mit einem Laienermittler setzt, ist vom Privatdetektiv abgerückt, da das Ermittlungsmonopol bei gravierenden Fällen sowieso bei der Polizei liegt.

Um eine Detektivfigur so entscheidend installieren zu können und trotzdem noch einigermaßen realitätsnah zu bleiben - und das tut die Autorin, keinerlei Zauberei hier -, muss sie den Umweg über die abgeschlossene Polizeiermittlung wählen. Und Cormoran Strike, so heißt ihr tatkräftiger, körperlich massiver Private Eye, muss sein Geld ansonsten mit Kleinvieh verdienen, damit vor allem, untreuen Eheleuten nachzuspionieren.

Cormoran Strike versteht was von Berühmtheit: Er ist das uneheliche Kind eines Rockstars und eines an einer Überdosis jung gestorbenen Supergroupies. Einen Kredit vom Papa zahlt er verbissen zurück, er will es allein schaffen. Er geht zum Militär, verliert in Afghanistan das halbe Bein.

Immer wieder lässt Rowling ihn unter starken Schmerzen leiden, die Prothese reibt, das vernarbte Fleisch entzündet sich. Immerhin aber stellt sie Cormoran eine hübsche, clevere Sekretärin an die Seite, ebenfalls ganz in alter Detektivroman-Manier. Vielleicht hat sie sich eine Batman-Anspielung erlaubt, als sie die treue Sekretärin Robin nannte.

Wie schon in ihrem ersten Nach-Potter-Roman, dem sozialkritischen, satirischen "Ein plötzlicher Todesfall", zeichnet Rowling auch hier ihre Figuren mit scharfem Blick und scharfer Feder. Da gibt es den hässlichen Filmregisseur, der seine Frau misshandelt. Den schwulen Modemacher, der seine Angestellten schikaniert. Die mageren, obsessiv shoppenden Luxusweibchen. Aber auch die berechnenden Underdogs, die ein Stückchen vom Kuchen wollen.

Im Nachhinein tut man sich leicht, Züge von Harrys unsympathischer Pflegefamilie in ihnen zu entdecken. Allerdings offenbart das "Cuckoo"-Personal manche erstaunlich fein differenzierte Seite.

Eine deutsche Übersetzung (bei Blanvalet) wird sicher schnell folgen. Zu entdecken ist ein traditionell geschriebener, grundsolider, sprachlich sorgsamer Whodunnit. Schade, dass man ihn nicht mehr als den eines - doch eigentlich recht talentierten - Unbekannten lesen kann.

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