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Europäer und Chronist der Mark Brandenburg: Theodor Fontane wird 200.

Theodor Fontane

Der Chronist der Mark Brandenburg wird 200

Allesnotierer, Vielkorrigierer: Brandenburg bereitet sich auf das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag Theodor Fontanes vor.

Die Birnen von Ribbeck“, „Frau Jenny Treibel“, „Effi Briest“ oder „Der Stechlin“: Mit seinen Werken hat Theodor Fontane (1819-1898) Literaturgeschichte geschrieben. Zum 200. Geburtstag des Schriftstellers, der dem Land auch mit seinen mehrbändigen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat, wird in Brandenburg unter dem Titel „fontane.200“ ein umfangreiches Kulturprogramm vorbereitet. Das Jubiläumsjahr wird am 30. März 2019 in Fontanes Geburtsstadt Neuruppin eröffnet.

Der Schriftsteller sei nicht nur ein Chronist der Mark Brandenburg, sondern auch ein Europäer gewesen, der in London gelebt und Schottland und Italien bereist habe, beschrieb der Literaturwissenschaftler und Leiter des Potsdamer Fontane-Archivs, Peer Trilcke, die Bedeutung Fontanes kürzlich in einem Interview. In der Weltliteratur des 19. Jahrhunderts sei er der einzige deutsche Schriftsteller, der noch international wahrgenommen werde.

Fontanes Motive seien von „überraschender Aktualität“, betont Brigitte Faber-Schmidt, Leiterin der märkischen „Kulturland-Brandenburg“-Themenjahre. Durch seinen Wortwitz könne häufig „eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ geschlagen werden. In einer Schwerpunkt-Ausstellung solle der Schriftsteller deshalb im Jubiläumsjahr in seiner Geburtsstadt als „Wortsampler, Schreibdenker und Textprogrammierer“ vorgestellt werden.

Fontane, der vom journalistischen und später literarischen Schreiben habe leben müssen, sei ein „Schriftsteller im buchstäblichen Sinn“, ein „Allesnotierer und Vielkorrigierer“ gewesen, der „mit der Feder in der Hand auf dem Papier dachte“, erklärt Faber-Schmidt. Die Ausstellung in Neuruppin widmet sich deshalb auch den Worterfindungen Fontanes, von der „Abschreckungstheorie“ bis zur „Weltverbesserungsleidenschaft“ und den „Zärtlichkeitsallüren“.

Geboren als Sohn eines Apothekers wird Theodor Fontane zunächst selbst Apotheker. 1839 veröffentlicht er seine erste Novelle. 1852 beginnt er, als Journalist zu arbeiten und wird Korrespondent in England. Erst mit fast 60 Jahren debütiert Fontane 1878 mit „Vor dem Sturm“ als Romancier. Mit seinem literarischen Werk habe Fontane die Identität Brandenburgs geprägt und über dessen Grenzen hinaus vermittelt, betont Faber-Schmidt. Mit einzigartig realistischer Detailfülle habe er zugleich ein eindrucksvolles Bild des 19. Jahrhunderts und der beginnenden Moderne gezeichnet. Das Fontanejahr, an dem sich mehr als 40 Projektpartner beteiligen, endet am 200. Geburtstag des Schriftstellers am 30. Dezember 2019.  (epd)

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