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Heute könnte durchaus eine Frau am Steuer sitzen.
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Heute könnte durchaus eine Frau am Steuer sitzen.

Roman

Christine Drews „Freiflug“: „Aus grundsätzlichen Erwägungen“

  • VonPetra Pluwatsch
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Christine Drews erzählt in ihrem Roman „Freiflug“ von der Pilotin Rita Maiburg, die in den siebziger Jahren von der Lufthansa abgelehnt wird, weil sie eine Frau ist.

Rita Maiburg will hoch hinaus. Linienflugkapitänin will sie werden, die großen Passagiermaschinen fliegen. Als erste Frau bei der Deutschen Lufthansa. Als erste Frau auf der ganzen Welt. Doch die junge Pilotin scheitert an den Realitäten des Jahres 1974. „Weibliche Flugzeugführer“ kämen „aus grundsätzlichen Erwägungen nicht zum Einsatz“, teilt ihr die Fluggesellschaft in einem knappen Schreiben mit. Man wünsche ihr für ihren weiteren Lebensweg alles Gute.

Ein Schlag ins Gesicht, den Maiburg nicht hinnehmen will. Sie klagt. Und verliert. Klagt erneut. Verliert ein zweites Mal. Frauen, argumentieren die Juristen des Flugunternehmens, seien während ihrer Menstruation nicht einsatzfähig, sprich: aufgrund biologischer Gegebenheiten nicht in der Lage, große Passagierflugzeuge zu fliegen. Ganz zu schweigen von ihrem wenig ausgeprägten „mathematischen und physikalischen Verständnis“.

Christine Drews, bislang bekannt als Autorin von Krimis und Familienromanen, hat in ihrem jüngsten Buch „Freiflug“ einen realen Fall aus den siebziger Jahren aufgegriffen, der knapp 50 Jahre später so aberwitzig anmutet, dass man nicht einmal darüber lachen kann. Rita Maiburg, eine ausgebildete Pilotin, 1952 in Bonn als Tochter eines Architektenehepaares geboren, ging 1976 vor Gericht erfolglos gegen die Deutsche Lufthansa und die Bundesrepublik Deutschland vor. Die Haltung des Flugunternehmens verstoße gegen das im Grundgesetz verankerte Recht auf Gleichberechtigung.

Aber keiner soll es wissen

Ihren Traum vom Fliegen verwirklichte die 24-Jährige schließlich bei einem regionalen Unternehmen: Die Deutsche Luftverkehrsgesellschaft stellte sie als weltweit erste Kapitänin im regulären Liniendienst ein. Allerdings: Den Fluggästen wurde verschwiegen, dass eine Frau am Steuerknüppel saß. Man wolle Menschen mit Flugangst nicht zusätzlich beunruhigen, so die Begründung. Ein Witz? Beileibe nicht.

Das Buch:

Christine Drews: Freiflug. Roman. DuMont Buchverlag, Köln 2021. 352 Seiten, 20 Euro.

Christine Drews stieß, wie sie im Nachwort ihres Romans schreibt, durch Zufall auf das Schicksal der Rita Maiburg. Der im Übrigen in Köln am Flughafen Butzweiler Hof eine Straße gewidmet ist. Sie habe den Fall zum Anlass genommen, tief einzutauchen in die Geschichte der Emanzipation. „Es erschütterte mich, wie es um die Rechte der Frau in den 1970er Jahren bestellt war.“

Deren Kampf um berufliche Anerkennung spiegelt sich im Werdegang ihrer zweiten – fiktiven – Protagonistin. Die Kölner Rechtsanwältin Katharina Berner ist Rita Maiburgs Verteidigerin vor Gericht und muss sich mit den Vorurteilen von Kollegen und Klienten auseinandersetzen. Auch in ihrer Familie stoßen ihre Ambitionen weitgehend auf Unverständnis. Der Vater verweigert ihr seine finanzielle Unterstützung, Schwester und Schwägerin haben sich für die traditionelle Frauenrolle als Ehefrau und Mutter entschieden.

Christine Drews hat aus all dem einen faktenreichen und gut recherchierten Roman gemacht. Man erhält einen umfangreichen Einblick in die Lebenswirklichkeit von Frauen in den 1970er Jahren, deren Kampf um gesellschaftliche Anerkennung und juristische Gleichbehandlung keineswegs abgeschlossen ist. Noch gilt es damals als Skandal, wenn eine Politikerin im Deutschen Bundestag eine Rede im Hosenanzug statt im Kostüm hält. Noch darf eine Frau nur dann eine Arbeit annehmen, wenn sie darüber nicht den Haushalt vernachlässigt. Und noch kann der Mann sein „eheliches Recht“ mit Gewalt einfordern, ohne dafür wegen Vergewaltigung belangt zu werden.

Ein zeitgeschichtlicher Rückblick also, der stellenweise erschauern und im Dienst der Sache über die eine oder andere stilistische Holprigkeit hinwegsehen lässt.

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