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Christa von Bernuth.
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Christa von Bernuth.

Kriminalroman

Christa von Bernuth: „Tief in der Erde“ – Das tote Kind, das falsche Kind

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Tief in der Erde“ ist der Titel des neuen Romans von Christa von Bernuths nach dem Fall Ursula Herrmann. Es ist das erste Werk der Autorin, das sich mit einem wahren Fall beschäftigt.

Die Krimi-Autorin Christa von Bernuth, Jahrgang 1961, besuchte das Landheim Schondorf, ein renommiertes Internat am Ammersee. Ganz in der Nähe wurde im September 1981 die zehnjährige Ursula Herrmann entführt und gut zwei Wochen später tot in einer im Boden vergrabenen Kiste gefunden. Die Polizei beschäftigte sich auch mit den Internatsschülern, aber ob sie das ausreichend tat, war durchaus umstritten. Erst 2008 gab es im Fall Herrmann eine Festnahme, 2010 einen Indizienprozess, bei dem der hoch verschuldete Werner M. zu lebenslanger Freiheitsstraße verurteilt wurde.

2013 strengte Ursulas Bruder Michael Herrmann einen Zivilprozess gegen Werner M. an, paradoxerweise weil er von der Unschuld des Mannes überzeugt war und eine Neubewertung erzwingen wollte – es brachte nichts. Christa von Bernuth stellt ihrem Roman nun voran: „Nicht nur die Autorin zweifelt nach intensiver Befassung mit dem historischen Prozessstoff daran, dass der richtige Täter verurteilt wurde. Gleichwohl sind alle Schlussfolgerungen, wer die wahren Täter sein könnten, notwendigerweise spekulativ und alle Ausführungen dazu im vorliegenden Roman ebenfalls rein fiktiv.“

Das Buch

Christa von Bernuth: Tief in der Erde. Kriminalroman. Goldmann, München 2021. 384 S., 16 Euro.

„Tief in der Erde“ ist der erste Kriminalroman der Autorin, der sich mit einem wahren Fall beschäftigt. Sie tut das mit Dezenz, dem nötigen Fingerspitzengefühl und mit Geschick, indem sie öfter die Erzähler-Perspektive wechselt, eine Journalistin einführt, die über den Prozess berichtete und sich später mit dem Bruder des Opfers trifft, indem sie aber auch einfach die naheliegenden Fragen anspricht. Etwa warum ein Mädchen entführt wurde, deren Familie keineswegs wohlhabend war. „Das falsche Kind“ ist bald einer der außerdem mit Datum und Uhrzeit versehenen kurzen Abschnitte überschrieben, in die das Buch gegliedert ist.

Sie nennt das Kind Annika Schön. Keineswegs geht es ihr um irgendwelche grausigen Details, schon gar nicht solche des langsamen Erstickens eines Menschen, der lebendig begraben wurde. Es geht um die Verzweiflung der Eltern Annikas, die keine Ahnung haben, wie sie so viel Geld aufbringen sollen. Um den Druck, den einige (politisch einfluss-)reiche Eltern von Internatsschülern sofort aufbauen: Fingerabdrücke von ihren Söhnen? Unerhört, ihre Kinder unter Verdacht zu stellen. Es geht natürlich um das Versagen der Polizei, das auch im realen Fall Ursula Herrmann beträchtlich gewesen sein muss. So sehr ist man daran gewöhnt, dass am Sonntag um spätestens 21.45 Uhr alles aufgeklärt ist, dass es beunruhigend ist, wie schlampig im wahren Leben oft gearbeitet wird, wie viel schief gehen kann.

2019 legte Michael Herrmann neue Indizien vor, die seiner Meinung nach auf mehr als einen Täter im Umfeld des Internats deuten. Die „Süddeutsche Zeitung“ meldete damals „aus Justizkreisen“, gefragt sei nun „gründliche Arbeit“, die „ohne Druck“ geschehen müsse. Vier Monate später hieß es, die Akte Ursula Herrmann bleibe geschlossen. Im Februar 2021 tauchte ein mysteriöses „Bekennerschreiben“ auf … Die an diesem Fall Beteiligten kommen nicht zur Ruhe. „Tief in der Erde“ erzählt von dieser Unruhe und den Verletzungen der Hinterbliebenen.

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