„Manchmal scheinst du weit weg.“ Carolina Celas, Bis zum Horizont / Kleine Gestalten 2020

Bilderbuch

Carolina Celas „Bis zum Horizont“: An der Mittellinie

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Carolina Celas’ Bilderbuch „Bis zum Horizont“ erweitert den Blick, indem es ihn relativiert.

Dieses Buch erweitert den Horizont, obwohl hier nicht immer besonders viel Platz ist. „Bis zum Horizont“ von Carolina Celas, ein Bilderbuch, bei dem auch Erwachsene sehr lange brauchen, bis sie sich langweilen, testet aus, wie weit der Blick jeweils reicht, aus diversen Perspektiven.

Das kleine Mädchen schaut nach oben und es schaut nach unten, es macht eine Expedition durch eine Höhle, guckt durch die Jalousien seines Fensters, steht in Straßen und auf dem Tennisplatz und in der Straßenbahn oder einfach bloß in einer Menge riesiger Erwachsener. Einerseits bewegt sich also das kleine Mädchen durch eine naturgemäß riesige Welt; andererseits haben die glücklichen Buchbesitzer ihre eigene Perspektive von außen auf die fabelhaften Panoramabilder der in Lissabon lebenden Illustratorin und Autorin.

Das Buch:

Carolina Celas: Bis zum Horizont. A. d. Port. v. Claudia Stein. Kleine Gestalten, Berlin 2020. 40 Seiten, 14,90 Euro.

Eine (Horizont-)Linie läuft dabei durch (fast) jedes Bild, sie zu entdecken ist ein Spaß für sich. Das Staunen und Kichern öffnet zugleich den Blick für das Fantastische und für Celas’ waghalsige Definition von Horizont. Er kann auch durch eine Gruppe Leute an der Gürtellinie verlaufen oder entlang der Mittellinie auf dem Spielfeld. Überhaupt wählt Celas nicht nur eigenwillige Blickwinkel, sondern führt sie auch eigenwillig aus. Wäre die Kunstlehrerin immer zufrieden gewesen? Unwahrscheinlich.

Carolina Celas: Bis zum Horizont

Gewissermaßen ist die durch klare und weniger klare Linien bestimmte Welt in „Bis zum Horizont“ sogar ostentativ flach, keine Nachäffung der Realität, sondern ein Zauberland, in dem einem vieles bekannt vorkommt. Gerade dadurch dient „Bis zum Horizont“ aber als Augenöffner für die wesentliche Frage: Was ist um mich her los und was davon nehme ich wahr?

Die Texte, bei denen der Horizont auch angesprochen und geduzt wird, sind kurz, und obwohl Celas nicht daran denkt, eine Geschichte zu erzählen, bietet sie neben dem großen Ganzen hundert Einzelheiten, aus denen sich die interessierte Leserin etwas zusammenbasteln wird. Die Mutter des Mädchens macht offenbar Yoga, und es gibt auch eine Katze. Die Welt des kleinen Mädchens ist städtisch und verwirrend. Unter anderem lebt hier anscheinend eine Art – Yeti. Celas deutet Gesichter bloß an, Niedlichkeit ist nicht ihr Begehr, der Raum ist es, der sie interessiert: exotische, futuristische, unwahrscheinliche Räume neben faden Häuserfassaden. Man wundert sich, bis man begreift, dass das meiste keinen Deut verrückter ist als die Welt, in der wir leben. (Ab 4 Jahren)

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