Buchmesse

Buchmesse: Wie Norweger so riechen

  • schließen

Der Ehrengast der Buchmesse empfängt die Besucher in einem kühl gestalteten Pavillon.

Der erste Eindruck ist sinnverwirrend. Dieser Raum hebt seine Begrenzungen scheinbar auf, öffnet sich ins Unendliche. Durch große Spiegel an den Seiten gelingt es den Architekten, den Pavillon des Ehrengastes Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse scheinbar ins Unendliche zu erweitern. Es ist eine kühle Landschaft, die sich hier ausbreitet. Glas, Aluminium, weißes Licht, an den Seiten schwarz-weiße Fotografien der norwegischen Waldlandschaft. Auf einzelnen Tischen finden sich rund 1000 Bücher aus oder über Norwegen. Alles wirkt sehr reduziert, zurückgenommen,

Die weiß lackierten Aluminiumkonstruktionen tragen 23 Stationen. „Es ist ein Park aus Skulpturen“, sagt Halldor Gudmundsson, der Projektleiter des norwegischen Gastlandauftritts, der mit dem Besucher von der FR durch den Pavillon geht. Mehr als 60 Architekturbüros aus Norwegen bewarben sich um die Auszeichnung, den Raum gestalten zu dürfen. Gewonnen haben die beiden Büros Manthey Kula und LCLA Office.

Sie teilen den großen Raum in zwei deutlich voneinander getrennte Hälften. Hinter den großformatigen Aufnahmen des Fotografen Per Berntsen, die im hohen Norden Norwegens aufgenommen wurden, im Land der Saami, findet sich ein zweiter Raum, dessen Atmosphäre deutlich wärmer ist. Hier stoßen die Besucher unter anderem auf die Installation „Wittgensteins Boot“ der Künstlerin Marianne Heske.

Die verwitterten Überreste spielen darauf an, dass der Philosoph Ludwig Wittgenstein zwischen 1913 und 1950 immer wieder für längere Zeit am Sognefjord in Norwegen lebte, einem sehr menschenfernen, einsamen Ort.

„Ist mir bekannt, dass ich sehe?“, heißt eine der Fragen des Philosophen, die zitiert wird. Im großen, kühlen Raum befindet sich die große Bühne für Lesungen und musikalische Auftritte.

Hinter der Trennwand befindet sich ein zweites, kleineres Podium und außerdem ein Café, das die Gäste mit norwegischen Spezialitäten empfängt. Die Architekten und Designer spielen ironisch mit dem Image, das Norwegen in Deutschland teilweise noch immer hat. Ein wenig geheimnisvoll, ein wenig dunkel, regenverhangen, weltabgewandt.

Dem halten die Gestalter kleine Dosen entgegen, die auf den ersten Blick wie Salz- und Pfefferstreuer wirken. „Hier können Sie herausfinden, wie ein Norweger riecht“, grinst Gudmundsson. Vor den Geruchsbehältnissen sind Stichworte notiert, von Glück ist darauf zum Beispiel die Rede, das freilich ein wenig süßlich daherkommt.

Fünf Tage lang ist der Pavillon jetzt offen, doch danach leben seine Teile weiter. Denn das Ehrengastland verschenkt die 23 Aluminiumskulpturen an Buchhandlungen in ganz Deutschland. Es ist ein kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit, die es schon vor der Buchmesse gab. Denn die Norweger hatten die deutschen Buchhändler in ihr Heimatland eingeladen, um herauszufinden, was die Vermittler interessiert.

Die reduzierte Architektur des Pavillons soll dabei helfen, sich in den nächsten Tagen ganz auf die Bücher und die Auftritte der Autorinnen und Autoren zu konzentrieren. Die norwegische Ministerin für Kultur und Gleichheit, Trine Skei Grande, und die Schriftsteller Herbjorg Wassmo und Thorvald Steen eröffnen die Hauptbühne am heutigen Mittwoch um 10 Uhr.

Um 12 Uhr wird dort der Willy-Brandt-Preis verliehen, der daran erinnert, dass der deutsche Bundeskanzler in den 30er Jahren in Norwegen im Exil gelebt hatte. Aus diesem Anlass wird auch Heidemarie Wieczorek-Zeul sprechen, die frühere stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende aus Wiesbaden.

Am Sonntag, 20. Oktober, endet der Ehrengastauftritt auf der Hauptbühne mit der Übergabe der Gastlandrolle an Kanada, das sich 2021 in Frankfurt präsentieren wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion