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Same procedure as every year: Max Goldt liest kurz vorm Fest im rappelvollen Mousonturm Frankfurt.
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Same procedure as every year: Max Goldt liest kurz vorm Fest im rappelvollen Mousonturm Frankfurt.

Max Goldt in Frankfurt

Man braucht nicht unbedingt Glück

Max Goldt aber braucht man schon, jetzt wieder wie immer um die Weihnachtszeit im Frankfurter Mousonturm mit gescheiten Beobachtungen, lakonisch vorgetragen.

Von Stefan Michalzik

Glück ist nicht unbedingt notwendig für das Leben. Sex auch nicht. Max Goldt rückt die Dinge zurecht mit der Beiläufigkeit seines charakteristischen Parlandotons. Zum reserviert-behaglichen Tonfall fügt sich bestens jene Beständigkeit, mit der der in Berlin lebende Schriftsteller seit werweißeigentlichwielangeschon um Weihnachten herum in Frankfurt gastiert. Wie zumeist so auch diesmal im Mousonturm, für zwei Abende, unter dem Titel „Schade um die schöne Verschwendung“.

Literarisch, so habe es der Schriftsteller Arnold Stadler gesagt, gebe das Glück nichts her. Wie um das zu belegen, hat Goldt das Bild einer „kerngesunden Familie, die optimistisch in die Zukunft schaut“ gezeichnet. Der Vater: ein muskulöser Mann voller Tatendurst. Die Mutter: graziös, aber gewinnbringend berufstätig. Die drei Kinder: sozial vollkommen neutral. Natürlich wohnt man in einer ideal urban durchmischten Gegend, zur Gymnastik hört man herausragende Klassik-CDs, die einem ein befreundeter renommierter New Yorker Kritiker, der mit einer berühmten japanischen Geigenvirtuosin verheiratet ist, kostenlos zuschickt... und so fort geht es in der köstlich übersteigerten Phantasie einer schwerlich noch zu steigernden Langweiligkeit.

Alles schlechter als daheim

In Urlaub fahren heiße „dem Elend probesitzen“. Die Erfahrung eines Aufenthalts auf Malta – dichter besiedelt als das Ruhrgebiet und ohne landschaftliche Reize – gibt demnach einen Eindruck von der Unbill, die einen später im Pflegeheim erwarten könnte. Butter aus irgendeinem Ersatzstoff, billige Wurst, Wattebrötchen, eine winzige Dusche mit einem verpilzten Vorhang ... alles schlechter als zu Hause, „als hätten wir Ferien von der Welt der Premiumprodukte gebucht“.

Hier die „erbärmlichen Popkulturgespräche“, wie sie abendlich in der Kneipe landläufig nach dem Schema „Ich finde...“ – ohne jegliche Kriterien also – geführt werden; dort der vom „Lexikon der populären Irrtümer“ angestoßene Boom an Büchern zum Nutzen von rechthaberisch motivierten Konversationspartnern; und schließlich der Mangel an einem Dreifachfeiertag im Frühherbst, der dann aber doch bloß zum Ansehen von deutschen Spielfilmen der fünfziger Jahre mit einem Witwer und drei auf den Rock’n’Roll versessenen Töchtern gebraucht würde: Feinbesaiteter pointiert als dieser ewige Menschenfreund und moralinsäureferne, habituell auf Gelassenheit plädierende Moralist lauscht niemand in das immerwährende Rauschen hinein.

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