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Frankfurt-Bornheim.

Gerd de Bruyn „Das mächtige Häuflein“

Borniertes Frankfurter Biedermeier

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Gerd de Bruyns Milieustudie „Das mächtige Häuflein“ führt in und prekäre Verhältnisse vor.

Kein Mensch, der nicht restlos durchschaut wird. Das gilt auch für Frankfurt, dessen Vedute bereits auf den ersten beiden Seiten, noch aus der Fernsicht auseinandergenommen wird wie in einer garstigen Glosse. Auch dabei bleibt es nicht, denn Gerd de Bruyns „Das mächtige Häuflein“ ist als Erzählung gedacht. Aber auch damit hat es kein Bewenden, denn das Büchlein ist in weiten Teilen so etwas wie eine bitterböse Milieustudie der Frankfurter Szene der achtziger Jahre, Jazz-fixiert, mit einem obendrein stark Bornheim-zentrierten Weltbild.

De Bruyn, der diese Welt in den 80er und 90er Jahren kennengelernt hat, bevor er als Professor der Architektur nach Stuttgart berufen wurde, stellt dieses Häuflein nun allerdings alles andere als mächtig dar. Das ist die pure Ironie! Sie gilt dem Wasserhäuschenpächter Teste, dem Dioramenbauer Bruns, sie gilt der Organistin Traudel, der schönen Isolde, dem schwulen Erwin – sie gilt einer „Gelehrtenrepublik“, was eine Anspielung ist, allerdings auch eine Lebenslüge offenbart. Führt doch de Bruyns Studie ein Milieu vor, das, bürgerlichen Existenzweisen gegenüber zutiefst kritisch, aus einer Gemeinschaft der Scheiternden besteht. Aus einer Notgemeinschaft, einer Nischenexistenzgemeinschaft. Lesern ist das vertraut aus Eckhard Henscheids „Trilogie des laufenden Schwachsinns“. Zum ganzen Drumherum (der Welt) steht man als Nörglernatur, als Missmutbürger steht man im Leben.

Das Buch führt in und prekäre Verhältnisse vor. Man zehrt vom Schwadronieren, hält es mit den Outlaws in Literatur und Musik, mit den Vertretern einer unmoderaten Moderne, was, sofern sich nicht ein drastischer Szenejargon ausspricht, in einem altväterlichen Ton erzählt wird. Der Modernefuror gründet in romantischen Reminiszenzen. Auch dabei bleibt es nicht, denn nicht nur wegen vieler Verweise (Guy Debord, Chet Baker, Buckminster Fuller, Jean Paul) oder einer (echt heiklen) Anspielung auf Paul Celan, legt der Erzähler einen enervierenden Bescheidwisserton an den Tag. Soll heißen: Die Erzählung kippt immer wieder in die Erklärung. Erklärtermaßen geht es um alles andere als nur das humorvolle Hochnehmen einer „ärmlichen Lebensführung“ in einem wahrhaftig unheimlich antibürgerlichen Biedermeier.

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