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Er hat's wieder getan: Dieter Bohlen hat ein neues Buch geschrieben und diesmal soll es nicht nur um ihn gehen.
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Er hat's wieder getan: Dieter Bohlen hat ein neues Buch geschrieben und diesmal soll es nicht nur um ihn gehen.

Buch(messe)

Von Bohlen lernen

Der selbsternannte "Pop-Titan" verrät in seinem neuen Buch das Geheimnis seines Erfolgs. Von Christoph Schröder

Von CHRISTOPH SCHRÖDER

"Dieter, hier mal so, bitte!" - "Und jetzt zur Seite." - "Und bitte den Kopf noch mal nach links, bitte. Und lächeln." Es ist wieder einmal so weit. Dieter Bohlen, der "Poptitan", wie er sich selbst nennt, hat ein neues Buch geschrieben. "Was, der Bohlen kommt?", fragt die Pressedame eines seriösen belletristischen Verlages entsetzt, "dann bricht hier auf der Messe ja für zwei Stunden wieder alles zusammen."

Ganz so wird es dann doch nicht. Denn Dieter Bohlen will alles anders machen. Er, der mit seinen beiden gemeinsam mit Katja Kessler verfassten Werken "Nichts als die Wahrheit" (2002) und "Hinter den Kulissen" (2003), nicht nur die Ära der Promibiografien eingeleitet und damit das Phänomen des Bildzeitungsprominenten in neue Dimensionen geführt hat; er, der im Wochenrhythmus junge Menschen, die nicht singen können, mit deutlichen Worten auf den richtigen Weg führt - er macht jetzt Ernst. Sagt er.

Deswegen grinst er an diesem Mittag auf der Frankfurter Buchmesse auch sehr selten sein so unverschämt blendendes Bohlen-Grinsen, sondern macht ein besorgtes Gesicht und bemüht sich um eine seriöse Wortwahl. "Der Bohlenweg. Planieren statt Sanieren", so heißt sein Buch.

Was damit gemeint ist, konnte man schon unlängst in einer Talkshow erfahren, als er eine allein erziehende Arbeitslose aufforderte, erst einmal ihren Realschulabschluss zu machen und dann nach Jobaushängen in Geschäften zu fahnden: "Gute Leute werden immer gesucht." Und in einer Homestory gab er bekannt, dass ihm die armen Schweine, die morgens um fünf Uhr aufstehen müssen, um einen Job zu machen, den sie hassen, wirklich verdammt leid tun. Wirklich.

Das ist es, was Bohlen so sympathisch und gleichzeitig erschreckend erscheinen lässt: Er sagt immer, was er meint. Und er meint tatsächlich auch immer, was er sagt.

Die neue Ernsthaftigkeit also, sie ist bei Dieter Bohlen angekommen, gerade rechtzeitig zur Finanzkrise, zu der er natürlich auch etwas zu sagen hat: Dass die Bundesregierung gerade die günstige Chance vertan hat, die Deutsche Bank und die Commerzbank billig aufzukaufen, um auf diese Weise den Staatshaushalt zu sanieren.

Dieter Bohlen hat zu allem eine Meinung, und jeder Satz, den er während seines Buchmessenauftritts von sich gibt, ist eine Zitatperle. Er habe beweisen wollen, dass er auch alleine ein Buch schreiben könne, obwohl er in Deutsch so schlecht gewesen sei, sagt er.

Dass er an Disziplin und Arbeit als Grundstock allen Erfolges glaube. Dass er jedem Jugendlichen rate, so viel wie nur möglich zu lernen, denn das könne ihm keiner mehr wegnehmen. "Ich fühle mich prädestiniert, unserer Jugend zu sagen, wo es lang geht", erklärt Bohlen, und auch dabei bleibt er völlig ernst.

Sein Feindbild, das sind die so genannten "Vollpfosten". Das Wort benutzt er oft, und jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Ein Vollpfosten sei zum Beispiel der Rapper Bushido, der sich hinstelle und den Jugendlichen erzähle, man müsse keine Leistung bringen, um nach oben zu kommen. Stimmt nicht, denn: "Das Leben ist ein Marathonlauf." Und Bushido wähnt Bohlen in etwa bei Kilometer zwei; ungefähr dort, wo auch Menschen wie Matthias Reim oder Nino de Angelo hängen geblieben sind - "die sind heute beide privatinsolvent".

Kampf den Vollpfosten

Ein Vollpfosten sei auch der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit seiner Kritik an der deutschen Fernsehlandschaft: "Wenn ich jemandem sage, dass er scheiße singt, zahlt RTL 100 000 Euro Strafe. Wenn der sich hinstellt und sagt, dass wir alle scheiße sind, wird er gefeiert."

Nein, an Selbstbewusstsein ist hier garantiert kein Mangel. Was zählt, ist der Nummer Eins-Hit, der Bestseller, und davon hat Bohlen genug gesammelt. Die Erkenntnis: "Ohne ein kleines Fünkchen Größenwahn kommst du nicht durch." Nobelpreisträger zu sein wäre übrigens auch nicht schlecht, meint Bohlen, "das lohnt sich auch". Den Friedensnobelpreis werde er allerdings wohl nicht bekommen. Jetzt grinst er doch einmal kurz.

So geht es immer weiter. Bohlen gibt den Volksmotivator. Seinem studierenden Sohn zahlt er eine kleine Einzimmerwohnung, mehr nicht, weil mehr nicht gut wäre. Woran es liegt, dass die jungen Menschen in Deutschland perspektivlos sind? Ganz einfach: "Die meisten Leute sind einfach faul."

Nicht hingegen er, der sich in seinem Haus auf Mallorca jeden Morgen um sieben Uhr an den Laptop gesetzt und an seinem Buch gearbeitet hat - "dabei sind mir Ideen für 35 neue Bücher gekommen". Und auch in diesem Fall steht zu befürchten, dass Dieter Bohlen meint, was er sagt.

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