Gesellschaftskritik

Böse Absichten

  • schließen

Ein Roman, der bis zuletzt sorgfältig und gelassen erzählt ist und alles hat, was ein Krimi braucht: Peter Haffs „Der blaue Spiegel“

Der 1938 geborene Peter Haff ist Romanautor und Maler, auch auf dem Gebiet des Reiseberichts hat er sich versucht – die Kritikermeinungen waren da geteilt. Sein jüngstes Buch „Der blaue Spiegel“ aber ist, das kann man mit Fug und Recht behaupten, ein Krimi, der alles hat, was ein Krimi braucht: Ein Mordopfer, dem weitere folgen (beziehungsweise vorausgegangen sind, wie sich herausstellt), einen eigenwilligen Polizisten, der sich Unzertrennliche hält (eine Papageienart mit „starker Paarbindung“, wie Wikipedia weiß), einen Zivilisten, Sohn des Mordopfers, der brav recherchiert, weil er mehr erfahren will über den Vater, dem er seit Jahren entfremdet war.

Das ist erstmal, bis auf die Unzertrennlichen, nicht sehr originell. Aber Peter Haffs unaufgeregtes, präzises Schreiben und seine Kunst- und Kunstgeschichts-Kenntnis machen einen Kriminalroman der etwas anderen Art daraus. Robert Wallburk, der Sohn, ist ein ziemlich berühmter Comiczeichner – und gern würde man seine Comics irgendwo kaufen können –, sein Vater war ein mindestens so berühmter Kunsthändler, den die Konkurrenz keinen Grund hatte zu lieben. Wer sich ein wenig für Kunst interessiert, wird sich durchaus am Namedropping erfreuen.

Robert, Rob genannt, wird vor allem mit den dunklen, skrupellosen Seiten seines Vaters konfrontiert, aber Haff trägt dabei nicht zu dick auf. Überhaupt ist das ein Roman, der bis zuletzt sorgfältig und gelassen erzählt ist, der Begegnung an Begegnung reiht und Gespräch an Gespräch. Man sitzt quasi dabei und trinkt in Ruhe einen Kaffee.

Dabei scheut Haff nicht die Gratwanderung zwischen einem astreinen Krimi und einem esoterischen: Eine ominöse, aus frühchristlicher Zeit stammende Loge – eigentlich Sekte – kommt ins Spiel, und sie hat böse Absichten. Doch weil Rob und Rhomberg, der Ermittler mit den Paar-Papageien, so verankert sind im ganz normalen Leben, in Abgabezeiten und Staatsanwaltsanfragen, hat ihr nüchternes Nachdenken über eine geheimnisvolle, man könnte auch sagen: durchgeknallte, Gesellschaft seinen Reiz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion