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Als Bundespräsident kann man die interessantesten Menschen zu sich einladen. Ransmayr (r.) bei Steinmeier, März 2019.

Auszeichnung

Börne-Preis für Christoph Ransmayr: Was für ihn zählt

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Bundespräsident Steinmeier hat Christoph Ransmayr den Börne-Preis zugesprochen – wie überaus erfreulich.

Mit schlichter Größe hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als diesjähriger Juror dem österreichischen Schriftsteller Christoph Ransmayr den Ludwig-Börne-Preis zugesprochen. Wieso finden wir, dass das schlichte Größe hat? Weil Christoph Ransmayr auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Autor ist, der einem im Zusammenhang mit dem Börne-Preis einfällt – eher ist da in jedem Jahr diese plagende Frage, warum er nicht den Georg-Büchner-Preis bekommt –, kein Publizist mit noch so großen schriftstellerischen Fähigkeiten, ein Dichter, der auch Reportagen schreibt.

Aber die Freiheit des jeweiligen Preisrichters ist erheblich und Steinmeiers Begründung schön, um nicht zu sagen von schlichter Größe: „Weder Nation, noch Konfession, noch Stand, noch Geschlecht sind es, die für ihn zählen, sondern allein die Gleichheit der Menschen und das Geheimnis der Existenz.“ Man stellt sich vor, dass wirklich ein Leser für seinen Schriftsteller votiert haben könnte.

Ransmayr kann einen das Leseleben über begleiten, wenn man zum Beispiel mit seinem frühen Erfolgs- und Nordexpeditionsroman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ (1984) eingestiegen ist, sich vom Versepos „Der fliegende Berg“ (2003) nicht hat entmutigen lassen – dazu besteht auch kein Anlass, aber Versepen in deutscher Sprache sind rar – und zuletzt wieder vor dem historischen China-Roman „Cox oder der Lauf der Zeit“ in die Knie gegangen ist. Vor Bewunderung, nicht vor Ratlosigkeit. Die Klugheit, die staunenswerte Weisheit dieses Buches müssen einem keine Angst einjagen, wohl aber die Sitten am Hofe des Kaisers von China.

Ransmayr, 1954 in Wels geboren, sieht sich als Reisender auf der Welt um, vielleicht haftet auch darum seinen Büchern niemals etwas Trockenes an. Wenn er nicht unterwegs ist, lebt er in Wien und Cork.

Der Stadt Frankfurt, wo der mit 20 000 Euro dotierte Börne-Preis am 17. Mai in der Paulskirche verliehen wird, steht damit nicht nur eine Laudatio des Bundespräsidenten ins Haus, sondern auch eine der berühmten Dankesreden Ransmayrs, der diese Gelegenheit traditionell für ganz eigene Geschichten verwendet. Drei davon kann man in dem schmalen Band „Arzneien gegen die Sterblichkeit“ (bei S. Fischer erschienen, wie sein Romanwerk) nachlesen. Auch die Ambivalenz einer Preisverleihungszeremonie kommt darin vor, dies nicht ohne Spott: der vom öffentlichen Sprechen noch aufgeregte, angeregte Laudator lauscht mit geschlossenen Augen zwar nicht der Musik, aber erweckt doch den Eindruck, er täte es. So geht das Spiel. Nachsicht ist dem Schriftsteller Ransmayr nicht fremd.

Schon am 7. März können die findige Frankfurterin und der findige Frankfurter Ransmayer im übrigen als Poetikdozenten erleben: „Unterwegs nach Babylon“ heißt seine Vorlesung zum Jubiläum sechzig Jahre Poetikdozentur. Campus Westend, 18 Uhr, könnte voll werden. Zwischen den Frankfurt-Terminen, am 20. März, feiert Christoph Ransmayr seinen 66. Geburtstag.

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