Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im Bauerngarten.
+
Im Bauerngarten.

Neue Garten-Bücher

Vom Blumenbesitz

Rudolf Borchardt über den Menschen angesichts der Vegetation, Paula Almqvists sinnvolle Kolumnen und Marcel Prousts Blumenwelt: Drei Bücher über das Gärtnern und die Pflanzen-Betrachtung. Noch rasch ein paar Freuden, bevor die Blätter fallen.

Von Sabine Vogel

Der Katalog der Verkannten

„Der Apfel, die Traube und der Hellenismus gewinnen den eigensten Duft an ihren äußersten Vegetationsgrenzen.“ Genau dort also, wo sie nicht ohne die beständige Liebe und Mühe, ja eine ganz antiquierte Hingabe des Menschen gedeihen könnten. Wo der Weizen Mesopotamiens, die Kartoffel Uruguays, die Bohne Südamerikas, die Obstbäume Kleinasiens unsere Gärten und Felder bestimmen, muss der Begriff des „Winterharten“ eine künstliche, ideologische, ja schrullige Fiktion des „Nordischen“ sein. „Der menschliche Blumenbesitz als eine Ordnung des Menschengeistes“ sollte der Untertitel von Rudolf Borchardts 1951 erstmals publiziertem Buch heißen. Der jüdische Gelehrte, Lyriker und Schriftsteller (1877–1945) hat nicht weniger als eine poetische Kulturgeschichte der Humanitas anhand der Pflanzenwelten – inklusive eines enzyklopädischen „Katalogs der Verkannten“ – verfasst. „Der leidenschaftliche Gärtner“ findet in jenem „Bereich völkerverbindender Götter“ eine Ahnung der Unsterblichkeit, aber das gibt es nicht für lau.

Kurts blaue Bohnen

Weil die Gartenbüchlein des Frankfurter Schöffling Verlags immer alle so liebevoll gemacht und schön handlich wie Ansichtskarten sind, wollen wir hier ausnahmsweise mal die Kollegin von der Konkurrenz bedenken. Paula Almqvists Kolumnen erscheinen in „Brigitte Woman“ und sind nicht bloß nett und mit Schlusspointe dahergeplaudert, sondern auch von praktischem und aktuellem Gebrauchswert. Da geht es um Mähroboter und um Globuli aus Kochsalz oder Carbo, also Holzkohlenasche, die so teuer wie Homöopathie für Haustiere sind. Da wird der unter netten Gartennachbarn übliche Austausch von (zu vielen, zu großen, zu ausgebreiteten) zerhackten Staudenhorsten, Zwiebelgroßfamilien und die liebevoll beschrifteten Samentütchen von „Kurts blaue Bohnen“ als modische Shared economy gepriesen. Und der gemeine Grabräuber wird als notgieriger Gärtner enttarnt.

Gelöste Moosrosengirlanden

Ein früher Asthmaanfall beim Parkspaziergang im Frühling machte aus Marcel Proust schon mal keinen Gärtner. Aber unter seinem „Mikroskop des Herzens“ trieb seine florale Beschaulichkeit umso, nun ja, ausschweifendere Blüten. Auch wenn er am liebsten über garantiert pollenfreie Naturabbildungen in der Kunst schwadronierte, gab selbst schnöde Landschaft ihm Schwurbel-Energien: „Dann kamen andere Blüten, die bleicher, weniger glatt, körniger, faltiger und vom Zufall in so anmutigen Gewinden angeordnet waren, dass man gelöste Moosrosengirlanden im melancholischen Zerflattern nach einer Fete galante glaubte dahinschwimmen zu sehen.“ Das perfekte dekorative Geschenkbuch für Gärtnerinnen, die eh keine Zeit zum Lesen haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare