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TINKA WOLFF

Was bleibt?

Chronik eines verschollenen Staates

15 Jahre reichen, um einen ganzen Staat zur Geschichte werden zu lassen. Zumindest für diejenigen, die während dieser Jahre groß geworden sind: In Deutschland wächst eine ganze Generation von Jugendlichen heran, die zur DDR keinen Bezug mehr haben. Wenn diese Generation etwas über die DDR erfahren will, ist sie auf die Erinnerungen anderer angewiesen. Und wo lassen sich Erinnerungen besser sammeln als in Büchern?

Schaut man sich allerdings unter den aktuellen Jugendbüchern um, findet man nur zwei zu diesem Thema. Ein Land, genannt die DDR lautet der Titel des Buches, das Rüdiger Dammann und Ulrich Plenzdorf herausgegeben haben. Sechs Autoren kommen da zu Wort, für die "die Geschichte der DDR zugleich ein gutes Stück ihrer Lebensgeschichte" ist, wie Dammann im Vorwort bemerkt. Ihre chronologisch geordneten Geschichten sind erwachsene Geschichten, auch wenn das Buch für Jugendliche gedacht ist. Das ist nicht zwangsläufig eine unglückliche Kombination.

Leider macht der einzige Westdeutsche unter den Autoren, Claus Leggewie, keinen so guten Anfang. Sein Thema sind die Vorgänge, die nach dem Krieg zur Teilung Deutschlands führten. Erinnerungen hat er jedoch kaum beizutragen; daher beschränkt sich sein langer Text weitgehend auf die geschichtlichen Daten und fällt recht trocken aus. Anders Holde-Barbara Ulrich: Sie wuchs zu Stalins Zeiten auf und kann berichten, wie sich nach seinem Tod auch in der DDR die Stimmung änderte - und wie sie selbst immer mehr am sozialistischen Staat zu zweifeltn begann, je älter sie wurde.

Ohne Nostalgie

Auch Erich Loest hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Der Autor, heute Ehrenbürger der Stadt Leipzig, wurde vom SED-Regime verfolgt und wegen öffentlicher Kritik an der Partei inhaftiert. Er berichtet aus der Zeit danach und von einem Freund, der als Spitzel auf ihn angesetzt war. Diese Geschichte einer zerstörten Freundschaft zeigt, welche Macht die Stasi über die Bürger hatte.

Daniela Dahn beschäftigt sich wiederum weniger mit ihren eigenen Erinnerungen als mit Anekdoten anderer: Sie hat die "Legende vom faulen Ossi" ins Auge gefasst und berichtet, wie in der DDR gearbeitet wurde.

All diese Geschichten haben unterschiedlichen Unterhaltungswert, aber zumindest einige Gemeinsamkeiten: Mit banalen nostalgischen Erinnerungen an Spreewald-Gurken und Trabi-Fahrten haben die Autoren nichts im Sinn. Stattdessen wollen sie klar machen, welche Auswirkungen der Sozialismus auf das Leben einzelner Menschen hatte, und das gelingt ihnen ziemlich gut.

Außerdem enthalten die Geschichten jede Menge Informationen. Einfach so erzählt - ohne Namen, Daten, Fakten - wird hier nichts.

Allerdings sind Interesse am Thema und ein grober Überblick über die Geschichte der DDR Vorbedingungen, um in diesem Buch die Übersicht zu behalten. Auch die zweifellos aussagekräftigen Illustrationen von Klaus Ensikat sind ohne eine solche Vorbildung kaum zu verstehen.

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