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Birgit Vanderbeke, die am 24. Dezember überraschend gestorben ist, wie ihr Verlag mitteilte.
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Birgit Vanderbeke, die am 24. Dezember überraschend gestorben ist, wie ihr Verlag mitteilte.

Nachruf

Birgit Vanderbeke ist tot – Dem Unaussprechlichen eine Form geben

  • VonCornelia Geißler
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Schreiben mit dem Zauberschlüssel: Zum Tod der Schriftstellerin Birgit Vanderbeke, die 65 Jahre alt wurde.

Avignon - Alles begann mit dem „Muschelessen“, der Erzählung, die sie 1990 in Klagenfurt vortrug, für die sie dann den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt und die umgehend zum Bestseller wurde. „Dass es an diesem Abend zum Essen Muscheln geben sollte, war weder ein Zeichen noch ein Zufall, ein wenig ungewöhnlich war es, aber es ist natürlich kein Zeichen gewesen... .“

So atemlos beginnt der erste Satz, weil da eine etwas dringend zu erzählen hatte, wofür sie aber erst die Worte aufnehmen musste und aneinander reihen, im richtigen Rhythmus, so, dass alles Drängende, Wichtige, ja im Grunde Unaussprechliche, dann seine Form findet. Birgit Vanderbeke hat einen eigenen Ton in die deutschsprachige Literatur gebracht. Am 24. Dezember ist sie, wie der Piper-Verlag am Dienstag mitteilte, im Alter von 65 Jahren überraschend gestorben.

Birgit Vanderbeke: Sprache für das schwer Ertragbare

Sie hatte einen klaren Blick und ein feines Ohr für die Verrenkungen, die Menschen anstellen, wenn sie nie aussprechen, was sie sagen wollen. Etwa in „Alberta empfängt einen Liebhaber“ (1997). Und sie erzählte vom Leben mit einem Kind, als das noch selten war in der deutschen Literatur, in „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ (1999). Auch schrieb sie vom Zusammenkommen der Verschiedenen in „Abgehängt“ (2001) oder „Die Frau mit dem Hund“ (2012). Und immer wieder brachte sie Verletzungen zur Sprache, die sich Menschen, die einander doch nah sein sollten, zufügen.

In ihren späten Büchern kehrte sie zu der Familienerzählung zurück, die mit dem „Muschelessen“ begonnen hatte, etwa mit „Wer dann noch lachen kann“ (2017). Ihre Erzählerstimme sagt: „In all den Jahren ist mir nichts eingefallen, was ein Kind dagegen machen kann.“ Eine eiskalte Atmosphäre baut sich auf, während eine Erwachsene zurückschaut. Es sind die 60er Jahre in der Bundesrepublik, in der eine aus dem Osten geflohene Familie aus dem Tritt kommt. Das Mädchen gerät unter die „väterliche Hand“.

Zuvor, in „Ich freue mich, dass ich geboren bin“, begab sich die erwachsene Erzählerin zurück in ihr siebenjähriges Ich, durch physiotherapeutische Behandlungen in der Psyche aufgewühlt. Die Sprache, die Birgit Vanderbeke für das schwer Ertragbare gefunden hat, wirkt wie ein Zauberschlüssel: Sie öffnet mit den Abschnitten immer neue Kästchen, gibt sogar die Melodie eines Kinderlieds dazu.

Birgit Vanderbeke fand das Glück bei Avignon

Birgit Vanderbeke wurde 1956 im brandenburgischen Dahme geboren, wuchs nach vielen Monaten in Flüchtlingslagern in der Nähe von Frankfurt am Main auf, der Vater arbeitete in einem Chemiebetrieb. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wohnte sie in West-Berlin, wo sie aber nicht warm wurde mit der Stadt. Seit 1993 lebte sie dann in einem kleinen Ort in Südfrankreich in der Nähe von Avignon. Dort war sie glücklich, in dem Haus, das ihr Mann ausbaute, beim Stricken und Schreiben, als Großmutter. (Cornelia Geißler)

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