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Tête-à-tête mit einem Putzerlippfisch.
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Tête-à-tête mit einem Putzerlippfisch.

Sachbuch

Bill François: „Die Eloquenz der Sardine“ – Von Fischen das Sprechen lernen

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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„Die Eloquenz der Sardine“: Bill François erzählt vom kommunikativen Leben im Meer.

Es könnte alles ganz anders sein. Der Mensch, die Krone der Schöpfung? Nicht viel fehlt, und dieser Titel ginge an ein Lebewesen im Meer. Die Krake. Mit ihrem leistungsfähigen Gehirn kann sie Gedankengänge entwickeln und Schlussfolgerungen ziehen. Dazu ihre acht Arme und der gelenkige Körper, wendiger als unsere besten Roboter. „Aufgrund all dieser Fertigkeiten müssten die Kraken eigentlich die beherrschende Art auf der Erde sein“, schreibt der französische Physiker Bill François in seinem klugen Buch „Die Eloquenz der Sardine“.

Aber es gibt ein Problem: Kraken können zwar miteinander kommunizieren und lernen ihr ganzes Leben hinzu - sie sind aber nicht in der Lage, das Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. „Nur weil Kraken ihren Kindern also nichts beibringen können, haben sie nicht das Festland erobert, haben sie keine Städte wie unsere, keine Kathedralen, keine 4G-Satelliten, keine U-Bahn zur Stoßzeit, keine Debatten in sozialen Netzwerken, keine Steuererklärung und nichts von all dem, was die Zivilisation noch so alles an Annehmlichkeiten bietet.“

Bill François hat kein Buch über Kraken geschrieben. Die intelligenten Weichtiere sind nur ein Teil der Unterwasserwelt, in die wir gemeinsam mit dem Franzosen eintauchen. Und es wird schnell deutlich, wie wenig wir wissen: von den Gerüchen im Wasser, von den Reisen Atlantischer Lachse, von der Welt der elektrischen Felder und dem verlorenen Wissen indigener Völker, die tatsächlich in der Lage waren, mit Fischen zu sprechen.

Das Buch

Bill François: Die Eloquenz der Sardine. A. d. Franz. von Frank Sievers. Verlag C. H. Beck, München 2021. 234 S., 22 Euro.

Fische im Friseursalon

All das liest sich wunderbar, denn der Autor forscht zwar zu komplexen Themen wie der „Hydrodynamik aquatischer Organismen“, aber er ist auch Schriftsteller: François schreibt Kurzgeschichten und gewann einen Redewettbewerb des französischen Fernsehens. Und so verbindet er seine Leidenschaften, immer lehrreich, aber nie belehrend. Der scheinbare Gegensatz von Naturwissenschaft und Literatur löst sich schnell auf: Was anderswo trockene Fakten sind, birgt viele spannende Geschichten.

Die Geschichte des Schwarzschwanz-Lippfisches etwa. Ein Putzer, der andere Fische von Parasiten, abgestorbener Haut und Essensresten befreit. Eine wichtige Arbeit, für die sich vor dem Felsen des Putzers auch mal lange Schlangen bilden: „Die Putzerstation ist für die Fische ein Ort der Begegnung wie für uns Menschen der Friseursalon“, schreibt François. „Man kommt in friedlicher Absicht: Selbst die größten Raubfische greifen in diesem Ruheraum weder die Putzer noch ihre Beutetiere an.“ Manche Arten der Putzerlippfische können sogar Stammgäste von Neukunden unterscheiden.

François verwebt sein Wissen über Fische mit Episoden aus dem eigenen Leben, etwa von der ersten Begegnung mit der titelgebenden Sardine oder dem illegalen Eindringen in das geheimnisvolle Kanalsystem von Paris. Es wäre leicht gewesen, ein trauriges, ein schockierendes Buch zu schreiben. Zu viel Leben hat der Mensch vernichtet, zu still ist es in manchen Ecken des Meeres geworden. Aber François verzichtet auf laute Klagen über untergegangene Arten und verlorenes Wissen. Stattdessen spürt man im Text eine leise Hoffnung: Dass die Geschichten zu Wissen werden und dass daraus Respekt erwächst, vielleicht sogar Liebe, für das Meer und seine Bewohner. In der Einleitung schreibt François, die Fische, „diese erstaunlich redseligen Wesen“, hätten ihm das Sprechen beigebracht. Hören wir ihnen zu.

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