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Der Koala langweilt sich, der Lurch hängt durch.

Kinder

Bilderbuch „Heute nicht“: Bald wieder froh, aber nicht zu bald

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Timon und Julian Meyer schreiben und zeichnen ein Bilderbuch für alle, die jetzt mal schlapp und traurig sind.

Wer noch mit dem Gefühl aufgewachsen ist, dass nur faule Leute immer „morgen, morgen“ sagen, wird bei der Lektüre dieser Geschichte eine besondere Genugtuung empfinden. Manchmal muss man einfach mal abwarten und hinnehmen, dass man eine Pause braucht. An dem Lurch auf dieser Seite können Sie das gut erkennen. Er ist offensichtlich völlig erschöpft, er kann nicht mehr.

Die Brüder Timon und Julian Meyer legen hier ihr Bilderbuchdebüt vor, das aus der schlechten sogleich gute Laune gebiert. Timon Meyer schreibt die Reime, Julian Meyer zeichnet die Bilder, beides gleichermaßen aus dem Leben gegriffen. „Heute nicht“ handelt von jener Stimmung, die Kinder ungefiltert kennen, aber Erwachsene („Was du heute kannst besorgen ...“, Grundgütiger) auch nur mit Mühe ignorieren, sportlich überspielen und heimlich in der Ecke schluchzend überstehen: Gelegentlich ist der Mensch zu schlapp, zu schlecht gelaunt, zu unglücklich, um sich unmittelbar zu einer Verbesserung seiner Situation aufzuraffen. „Doch vielleicht morgen?“, fragen Timon und Julian Meyer weiter und treffen damit den Nagel auf den Kopf. Ja, morgen könnte die Welt schon ganz anders aussehen.

Ein Lurch im Homeoffice?

Timon Meyer / Julian Meyer: Heute nicht. Doch vielleicht morgen? Diogenes Verlag, Zürich 2020. 32 Seiten, 14 Euro.

Bleiben wir für einen Augenblick beim Lurch, der uns – da der Diogenes Verlag eine schöne Postkarte von ihm hergestellt und weiträumig versandt hat – schon seit Wochen so vorkommt, als handele es sich hier eindeutig um einen Lurch im Homeoffice. Er wird sich schließlich eine kleine Auszeit nehmen, bei der man ihn beim Videospielen beobachten kann. Ja, warum sollte ein erschöpfter Lurch, der gegenwärtig im Homeoffice tätig sein muss, nicht ein Videospiel spielen? Wenn er es doch außerhalb der Homeoffice-Zeiten spielt, woran nicht der geringste Zweifel bestehen kann?

Sobald sich der Lurch ein wenig erholt hat, kann er sich sogar in seinem schicken winzigen Geländewagen den anderen Tieren anschließen, die im Begriff sind, einen Tag am Meer zu verbringen. Dort tummelt sich schon der Bär, denn der hatte es (gestern!) schwer (auch er ist offensichtlich Arbeitnehmer, seine Aktentasche ist geplatzt, verflucht), auch findet sich das Krokodil ein, dem das Eis runtergefallen ist. Es sind nicht immer die großen Dramen, die uns die Laune verderben, aber sie können es sein. Vermutlich ist der Panda verlassen worden, während sich der Koala auf seinem faden Baum einfach nur zu Tode langweilt.

Der Ausflug ans Meer und die friedliche Geselligkeit im Abendrot sind natürlich derzeit Bestandteile einer wilden, verbotenen Utopie. Aber es wird so kommen, garantiert. (Ab drei Jahren)

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