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„Der Spaziergang des Herrn Momo“ – Herr Momo fliegt

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Von: Judith von Sternburg

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„Und keinem fällt auf, dass er in Wirklichkeit schwebt.“ Foto: Judith Auer/Kunstanstifter
„Und keinem fällt auf, dass er in Wirklichkeit schwebt.“ Foto: Judith Auer/Kunstanstifter © Judith Auer/Kunstanstifter

Ein zarter Spaziergang fürs Langzeitgedächtnis von Judith Auer und Luca Tortolini.

Es gibt geliebte Bilderbücher, die über die Jahrzehnte dann doch in Wegschmeißaktionen und Gedächtnislöchern verschwunden sind, unrettbar. „Der Spaziergang des Herrn Momo“ ist ein ganz neuer Titel, aber es könnte für Menschen, die jetzt die gemalte Welt entdecken, so ein Buch werden. Denn auch der Zauber vom „Herrn Momo“ liegt darin, dass alles so einfach erscheint und doch mysteriös. Es braucht wenig Worte dafür.

Aber wieso sollte man sich heutzutage überhaupt für den Spazierweg eines betagten Herren mit Wiener-Würstchen-förmiger Nase, Schnauzbart, Spazierstock, Hut und Weste interessieren? Gibt es nicht tausend wichtigere und lustigere Dinge und Leute? Das ist ja gerade der Witz. Herr Momo ist ein Gewohnheitstier (wie wir und viele vernünftige Kinder). Sein Weg führt durch einen Park zu einem netten Café, in dem er Zeitung (!) liest. Er kauft sich eine Blume fürs Knopfloch (echt jetzt?) und füttert die hungrigen Tauben. Es gab schon vorher wunderliche Momente, aber die Tauben sind nun eindeutig Löwen. Huch.

Das Buch

Judith Auer / Luca Tortolini: Der Spaziergang des Herrn Momo. A. d. Italien. v. Judith Auer. Kunstanstifter. 32 S., 20 Euro.

Judith Auer, die selbst gerne spazieren geht und eine Virtuosin am Buntstift sein muss, hat aber freundliche Löwen gezeichnet. So wie es schon vorher keine üble Wolke war, die allein auf Herrn Momo regnete. Er hat eh einen Regenschirm dabei. So wie es auch nachher gemütlich aussieht, wie Herr Momo durch die Luft segelt. Erwachsene machen sich allmählich Sorgen. Es bleibt aber alles in der Schwebe.

Der Text von Luca Tortolini ist cool und sparsam, der italienische Autor und die österreichische Illustratorin müssen sich einig darüber gewesen sein, dass es sich bei der Stadt, in der Herr Momo unterwegs ist, um Florenz handelt. Wer alt ist, merkt es spätestens, wenn Herr Momo das Museum besucht. Eine wunderbare Vorstellung, dass die, die jung sind, in 20 Jahren denken könnten, dass sie dieses und dieses Bild irgendwoher schon kennen. (Ab drei Jahren) ith

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