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Ein Gedichtband mit Musik, Bild und Schrift: Armin Mueller-Stahl.

Frankfurter Buchmesse

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Armin Mueller-Stahl spricht über seinen neuen Lyrikband. "Der wien Vogel fliegen kann" ist am 6. Oktober im Hatje Cantz Verlag erschienen und nach "Die Blaue Kuh" (2016) sein zweiter Gedichtband.

Armin Mueller-Stahl sucht Ausdrucksformen. Fündig wird er überall, wo Kunst im Spiel ist. Der renommierte Schauspieler hat sich unter anderem als Dichter einen Namen gemacht – und wenn er gerade nicht schreibt oder spielt, zieht es ihn an die Staffelei oder ans Klavier. „Hauptsache, die Hände müssen nicht still sein“, erklärt er im Interview auf der Frankfurter Buchmesse. Auf dem „Blauen Sofa“, der Autorenplattform von Bertelsmann, ZDF und Deutschlandradio, spricht er am Samstag über sein neues Buch „Der wien Vogel fliegen kann“, das am 6. Oktober im Hatje Cantz Verlag erschienen ist – nach „Die Blaue Kuh“ (2016) sein zweiter Gedichtband.

Als Moderatorin Annette Riedel ihn auf den Titel seines jüngsten Werks anspricht, wirkt Stahl nachdenklich. Dass das Fliegen darin vorkomme, liege in der Entstehungsgeschichte begründet, erklärt er. Der erste Teil seines politischen Gedichts stamme von 1968 und könne als Metapher für ein Leben hinter der Mauer begriffen werden. „Der Wunschtraum vom Fliegen hatte sicherlich etwas mit Fluchtgedanken zu tun.“

Seine Gedanken von 1968 erscheinen dem 87-Jährigen auch heute wieder aktuell, daher die Erweiterung seines Textes um einen Epilog. In der zweiten Strophe von 2016 spannt er einen Bogen von der deutschen Geschichte zu Diktaturen auf der ganzen Welt. „Die derzeitigen Entwicklungen erinnern mich schmerzlich an den Ersten und Zweiten Weltkrieg“, bedauert der Autor. „Lasst das nie wieder geschehen“, lautet seine Botschaft – und dafür braucht es mehr als Worte.

Schmerzhafte Erinnerung

„Ihr Gedichtband beinhaltet etwas von allem: Musik, Bild und Schrift“, stellt Moderatorin Riedel fest und fragt, wie das zusammengeht. „Lyrik ist der Musik ja sehr nah“, erwidert Stahl. „Und sie will Kunst werden. Das Wort sucht immer nach Pointen.“ Deshalb habe er zu jeder seiner 38 Gedichtzeilen ein expressives Gemälde entworfen. Das Buch soll aber nicht als eine Übersetzung des Textes in figurative, abstrakte Bilder verstanden werden. „Es ist keine 1:1-Übertragung“, betont Stahl. „Die Bilder zeigen vielmehr zufällige Emotionen, die ich beim Malen der Zeile gegenüber empfunden habe.“

Das Absichtslose im kreativen Schaffensprozess unterstreicht Stahl immer wieder. „Das Zeichnen ist für mich die schnellste aller Künste – und durch diese Schnelligkeit entstehen eben Zufälle“, erklärt er. „Früher dachte ich, was so fix gelingt, kann nichts von Wert sein.“ Am Theater wurde er eines Besseren belehrt. In den Pausen habe er seine Kollegen auf Bierdeckeln skizziert. Das sei so gut angekommen, dass im Laufe der Jahre über 1000 solcher Zeichnungen entstanden seien. Auch aus „Der wien Vogel fliegen kann“ ist auf spielerische Weise ein wichtiger Kommentar zur aktuellen Weltlage geworden.

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