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Bewegung an der Basis

Frauen sind mit Sicherheit nach wie vor die weltweit größte Gruppe von Menschen, die am dringendsten "das Recht, Rechte zu haben" (Hannah Arendt) benötigen.

Von RUDOLF WALTHER

Frauen sind mit Sicherheit nach wie vor die weltweit größte Gruppe von Menschen, die am dringendsten "das Recht, Rechte zu haben" (Hannah Arendt) benötigen. Der vorliegende Sammelband konzentriert sich auf Facetten islamischer Welten - in denen das Problem drückender ist als anderswo. Die Organisatorinnen der Tagung und Herausgeberinnen des Buches präsentieren dabei keine weitere pauschale Debatte über "den" Islam, sondern skizzieren in differenzierender Perspektive neue Ansatzpunkte des interkulturellen wissenschaftlichen und politischen Dialogs.

Die "Vielstimmigkeit der islamischen Orientierungen" (Mechthild Rumpf) hervorzuheben, ist das Anliegen vieler Beiträge. So zeigt Gritt Klinkhammer in ihrer qualitativ-empirischen Studie über türkisch-sunnitische Frauen der zweiten Generation nicht nur die ganze Bandbreite der praktizierten Lebensstile, sondern auch die relativ geringe Aussagekraft von äußerlich wahrnehmbaren Zugehörigkeitszeichen wie dem Kopftuch. Von außen gesehen erscheinen muslimische Gemeinden als Veranstaltungen von Männern. Aus der Nähe erweist sich jedoch, dass Frauen ihre eigenen Räume erobert haben und viele ihrer Tätigkeiten autonom organisieren, vom Koranstudium über Computerkurse bis zu Modeschauen.

Lise J. Abid, Ute Gerhard und Heiner Bielefeldt kritisieren in ihren herausragenden Beiträgen die christlich-westliche Vereinnahmung der Menschenrechte und widerlegen das landläufige Gerücht, in der islamischen Tradition fänden sich keine Ansatzpunkte für die Menschenrechte. Richtig ist daran nur so viel, dass viele egalitäre Traditionen verschüttet sind. So lag die Auslegung des Korans keineswegs immer in der Hand von Männern.

Wissen der Analphabetinnen

Wasser gehört zu den Ressourcen, um die es in Zukunft Konflikte ungeahnter Schärfe geben wird. Die in Indien geborene und in Frankfurt lebende Erziehungswissenschaftlerin Vathsala Aithal analysiert in ihrem Buch den Kampf indischer Frauen in Basisbewegungen um das Wasser.

Aithal stützt sich dabei auf eigene Untersuchungen, wie Analphabetinnen, die am untersten Ende der Gesellschaft stehen, lernen und das Gelernte weiterreichen. In diesem Kampf geht es buchstäblich ums Ganze - Ernährung, Gesundheit, Hygiene, kurz ums Leben und Überleben.

Während viele Entwicklungsfachleute noch der Meinung sind, Analphabeten könnten nichts lernen, zeigt die Autorin, dass Lernen nicht an die Schriftform gebunden ist. Die Frauen in den indischen Basisbewegungen brachten sich das Reparieren von Handpumpen ebenso bei wie das Fahrrad fahren, was den Transport von Wasser entschieden erleichtert. Der wichtigste Nebeneffekt solcher Selbstorganisation ist jedoch das Aufbrechen "vorherrschender Stereotypen", die die Frauen in männlich bestimmten Lebens- und Handlungsmustern gefangen halten. Alles "Lernen von unten" beginnt mit der Zerstörung solcher Stereotype.

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