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Das ist ein richtiger Fuchs. Im Roman von Harriet Cummings geht es um einen menschlichen.

Harriet Cummings

Das hat bestimmt ein Fremder getan

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„Eine von uns“, ein dezent thrillerartiger Dorfroman mit feinen Figuren von Harriet Cummings.

Ein Vor- und ein Nachwort („Über den echten Fox“) rahmt diesen Roman, der inspiriert ist von tatsächlichen Ereignissen, sie aber für eine fiktive Geschichte in Dienst nimmt und abwandelt. Die 1984 geborene Engländerin Harriet Cummings war ein Baby, als es in einigen kleinen Ortschaften in den Chiltern Hills, Südostengland, Einbrüche gab, ohne dass etwas gestohlen wurde. Die Betroffenen beunruhigte es umso mehr, Fenster und Türen offen, Dinge an einem anderen Platz wiederzufinden. Später stellte sich heraus, dass auch einige sexuelle Übergriffe auf das Konto des Fuchses gingen, wie der Unbekannte genannt wurde. Dass er zudem ein Gewehr gestohlen und jemanden verletzt hatte.

Cummings aber hat einen vielschichtigen Dorfgemeinschaftsroman geschrieben, ein thrillertypischer Prolog führt in die Irre. Sie erzählt vom Misstrauen, das sich in Heathcote – so nennt sie ihren Ort – ausbreitet. Und, auf der anderen Seite, vom Gefühl, man müsse zusammenhalten. Denn gewiss ist der Fox keiner von ihnen. Eine Bürgerwehr soll entstehen. Im Eisenwarenladen sind Schlösser ausverkauft. Und zusätzliche Beamte werden ins Dorf geschickt, wo ein junger Polizist sich zwischendurch so überfordert fühlt, dass er nur noch schlafen will. Denn inzwischen ist auch noch eine junge Frau verschwunden, Anna.

„Eine von uns“ („We All Begin as Strangers“, 2017) ist ein Debüt und zeigt noch manche Unbeholfenheit. Das betrifft allerdings fast nur die Krimihandlung, deren Andeutungen, Geheimnisse, Enthüllungen manchmal allzu durchschaubar konstruiert sind. In Annas Haus wird jeder Stein umgedreht, aber erst nach zwei Wochen denkt die Polizei daran, sich mal das Konto der Verschwundenen anzusehen. Oder auch nur die nähere Umgebung abzusuchen. Das scheint selbst im Jahr 1984 seltsam unprofessionell. Wo doch sogar schon ein Computer ins Revier gebracht wird, in den die Ermittlungsergebnisse eingespeist werden.

Doch wie Trumpfkarten hält Harriet Cummings ihre Figuren in den Händen. Deloris zum Beispiel, eine junge Frau, die in eine Ehe mit dem attraktiven Harvey geschlittert ist, es kaum noch ertragen kann, wenn er auf ihr liegt, und schon gar nicht schwanger werden will. Laienvikar Jim, der mal alles hatte, guten Job bei einer Versicherung, Frau, Kind. Dann verliebte er sich in eine 14-Jährige. Polizist Brian, der neben seinem sportlichen Bruder immer die zweite Geige spielte und ihn nun nach einem Unfall pflegt. Cynthia, die fast immer im Morgenmantel rumläuft und deren Mann zwanghaft Milchflaschen sammelt. Man glaubt, sie allesamt schnell in eine Schublade stecken zu können, aber manchmal hüpfen sie ein paar Seiten weiter schon wieder raus.

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