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Laurenz Berges: Etzweiler
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Laurenz Berges: Etzweiler

Das Fotobuch

Berges' "Etzweiler", ein Atlantis für Kleinbürger

Er hat in Altdorf, Etzweiler, Garzweiler, Gesolei, Hau und Inden fotografiert; das Buch aber heißt Etzweiler, weil es ohne Metapher nicht geht. Laurenz

Von ULF ERDMANN ZIEGLER

Er hat in Altdorf, Etzweiler, Garzweiler, Gesolei, Hau und Inden fotografiert; das Buch aber heißt Etzweiler, weil es ohne Metapher nicht geht. Laurenz Berges hat sich viel vorgenommen. Er will zeigen, wie eine bescheidene westdeutsche Baukultur untergeht. Atlantis für Kleinbürger: einige Orte östlich von Aachen, wo die tüchtigen Leute wohnten, die den Bergbau betrieben haben, der die Orte vernichtet hat.

Nur in einem gleicht er den Bechers, aus deren Düsseldorfer Schule er stammt: dass Berges als Fotograf an seinem Thema festhält. Ansonsten betreibt er das Gegenteil der Bechers, indem er die Farbe und das Licht des Moments und die Jahreszeiten hereinlässt, ja geradezu als Zeugen aufruft gegen die Zerstörung. So wie bei seinen furchterregend bescheidenen Bestandsaufnahmen leerer sowjetischer Kasernen in Ostdeutschland, etzweilert auch hier der Fotograf durch desolate Interieurs, beschnüffelt Teppich-Böden und hält Ausschau auf Tapeten-Landschaften - und spielt die Trumpfkarte des ästhetisierenden Blicks, in dem sich das Unversöhnliche Guten Tag sagt. Zum einen, dass wir die Kulturgüter aus dem historischen Raum von Hau und Gesolei nicht vermissen werden; zum anderen, dass der Abschied von allem, was im legitimen Sinn menschlich war, schwerfällt.

Berges zelebriert einen Zusammenprall der Erfahrung. Das Morbide seiner Objektwelt, Baumarkt-minus-X, trifft auf einen penetrant modernen Ordnungssinn, für den hinter jeder befleckten Ödnis ein Jackson Pollock oder ein Cy Twombly lauert. So sieht das Erhabene aus, wenn es keinen Schlafplatz finden kann und schon lange nichts mehr gegessen hat.

Auf diese Erfahrungen versucht Michael Lentz mit seinem literarischen Vorwort aufzusatteln ("Und das also war dein so genannter Hobbyraum"); mit der Wirkung, dass es einem bei der Lektüre nahezu genauso mulmig wird wie bei den Fotografien von Berges. Was allerdings doch fehlt, ist die Verbindung zwischen den verlorenen Orten und der gewonnenen fotografischen Erfahrung. Es ist zweierlei, eine Sache wunderlich zu finden oder sie zu verrätseln.

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