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Museums-Nachbildung der Schuhe, die Michael Fox in „Zurück in die Zukunft“ trug.
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Museums-Nachbildung der Schuhe, die Michael Fox in „Zurück in die Zukunft“ trug.

Roman

Benedict Wells „Hard Land“: In den Strahlen der Jugend

  • VonKatja Kraft
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„Hard Land“, eine Geschichte vom Erwachsenwerden von Benedict Wells.

Wer hat sich eigentlich das Genre „Coming of Age“ ausgedacht? Dieses Etikett, das man auf Filme und Bücher klebt, in denen ein junger Mensch durch einschneidende Erlebnisse über sich selbst hinauswächst und dadurch – „Coming of Age“ – erwachsen wird. Wer älter als 18 ist, könnte meinen: Das hat ja nichts mehr mit mir zu tun. Denkfehler. Denn im besten Falle richten sich Coming-of-Age-Geschichten nicht allein an diejenigen, die gerade volle Fahrt voraus die Autobahn der pubertären Gefühle fahren, sondern an jeden vom Teenie bis zur Großmama. Entwicklungsromane helfen den einen, die Jugendjahre zu überstehen, und erinnern die anderen an die Momente, in denen das Leben so richtig anfing.

Und mit dem Sturm und Drang auch das bittersüße Gefühl zwischen Euphorie und Melancholie – „Euphancholie“. „Einerseits zerreißt’s dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles mal vorbei sein wird. Na ja, vermutlich ist die ganze scheiß Jugend Euphancholie.“ So beschreibt es Kirstie in Benedict Wells‘ neuem, magischem Roman „Hard Land“. Ein Buch, das wirklich jedem ans pochende Herz gelegt werden muss.

Die junge Frau ist die erste Liebe von Hauptfigur Sam. Er ein schmächtiges Kerlchen, bald 16 und damit zwei Jahre jünger als Kirstie. Es ist 1985, beide leben in dem fiktiven Städtchen Grady im US-Bundesstaat Missouri. Der selbst gerade erst 37-jährige Wells liebt es, in seinen Werken popkulturelle Anspielungen zu verstecken. Er hat es in Bestsellern wie „Vom Ende der Einsamkeit“ oder „Die Wahrheit über das Lügen“ getan, und führt es in „Hard Land“ leidenschaftlich fort.

Das Buch:

Benedict Wells: Hard Land. Diogenes Verlag, Zürich 2021. 352 Seiten, 24 Euro.

Oder ist’s Zufall, dass das Örtchen Grady heißt? Genau wie das Kaff in der Komödie „Doc Hollywood“ (1991). Damals in der Hauptrolle: Michael J. Fox. Den Schauspieler wiederum mag Sam, ständig schaut er sich „Zurück in die Zukunft“ mit Fox an; weil der ihm zeigt, dass auch kleine, schmale Männer eine Wirkung auf Frauen haben und sich durchsetzen können.

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“ So beginnt „Hard Land“. Auch das ein Verweis auf ein anderes künstlerisches Werk – eine Abwandlung von Charles Simmons‘ „Salzwasser“-Auftakt: „Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank.“ Liebe und Tod, in nur zwei Zeilen werden die Grundthemen des Lebens radikal gegenübergestellt. Zwischen diesen Polen bewegt sich Sam. Es sind Sommerferien. Das Symbol für Jugend, Freiheit, übersprudelndes Glück schlechthin. Für ihn aber, dessen Familie seit der Krebserkrankung seiner Mutter ständig in Angst vor einem Wiederausbruch lebt, hat „Sommerferien“ nichts mit Hochgefühl zu tun. Sein einziger Freund ist weggezogen, vor ihm liegen sechs Wochen Langeweile. So glaubt er.

Von wegen. Was folgt, für ihn und für uns Leserinnen und Leser, ist der „schrecklichste und schönste Sommer meines Lebens“. Weil er einen Ferienjob im Kino anfängt und hier auf drei junge Leute trifft – Kirstie und ihre zwei Spezl Cameron und Hightower –, die ihn erst zögerlich, dann umso warmherziger in ihre Gruppe aufnehmen. Mehr und mehr gelingt dem schüchternen Sam, was seine kluge Mutter ihm vermittelt hat: „Es geht nicht darum, dich krampfhaft zu ändern, Schatz. Es geht darum, selbstbewusst der zu sein, der du bist.“

Es ist ein Buch über Freundschaft, über Verliebtsein, über Heimat, über Mut, über Musik, Filme, Literatur und, das besonders, über Trauer, Abschiedsschmerz. Kurzum: Erwachsenwerden? Ja. Und weit darüber hinaus.

Benedict Wells, diesem großen schriftstellerischen Talent, ist ein Coming-of-Age-Roman geglückt, der all die Träume und Wünsche in uns wieder wachkitzelt, die das Leben allzu gern über die Jahre zurechtschleift, bis sie kaum noch zu erkennen sind. Niemand kann den ersten verliebten Sommer wiederholen. Doch in diesem Büchlein scheinen die Sonnenstrahlen der Jugend eingefangen zu sein und noch einmal hell zu leuchten. Das wärmt.

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