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Buch „Für Europa!“

Auf die Barrikaden!

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der ehemalige Barrikadenkämpfer Cohn-Bendit und der ehemalige belgische Premierminister Verhofstadt schwören den Leser auf ein nachnationales Europa ein. Das Manifest „Für Europa!“ wird zur Generalmobilisierung gegen „Nationalisten, Konservative, Populisten“.

Der ehemalige Barrikadenkämpfer Cohn-Bendit und der ehemalige belgische Premierminister Verhofstadt schwören den Leser auf ein nachnationales Europa ein. Das Manifest „Für Europa!“ wird zur Generalmobilisierung gegen „Nationalisten, Konservative, Populisten“.

Die Anspannung ist groß, enorm groß. Sie wird das ganze Buch über nicht abreißen, denn sie wird (roter Faden!) gepflegt: „Akzeptiere den gegenwärtigen Zustand nicht.“ Die Prophezeiung könnte kaum düsterer ausfallen: „Denn für Europa ist es fünf vor zwölf.“ Auf der Tagesordnung steht die Umwälzung aller Verhältnisse. Dazu gehört: „Verfolge die Aktivitäten deines Abgeordneten auf Schritt und Tritt.“

Nein, wir reden nicht von einem antizivilgesellschaftlichen Überwachungsstaat, wir reden von einem „Manifest“, das Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt mit „Für Europa!“ verfasst haben. Der ehemalige Barrikadenkämpfer Cohn-Bendit, heute einer der Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, und der ehemalige belgische Premierminister Verhofstadt, heute Vorsitzender der Liberalen im EU-Parlament, schwören den Leser auf ein nachnationales Europa ein.

Weil der Nationalstaat dabei versagt, „uns gegen die Globalisierung zu verteidigen“, kommt einem zukünftigen Europamodell die Bedeutung einer „plausiblen Utopie“ (Cohn-Bendit) zu. Keine EU-Emanzipation jedoch ohne Emanzipation der Europäer, so das signalrot umrandete Buch. Keinen Zweifel lassend an den Pioniertaten der europäischen Nachkriegspolitiker („Helden“), auf das Humankapital Europas pochend (Aufklärung, Demokratie), rufen die Verfasser vierhändig zu einer „veritablen Revolution“ auf.

EU-Willige gegen Revolutionsunwillige

Ausdrücklich mahnend, nur ja keine Zeit zu verschwenden, wird das Manifest zu einer Generalmobilisierung gegen „Nationalisten, Konservative, Populisten“. Es gibt Passagen, in denen es auch ziviler zugeht, angefangen damit, dass direkt nach den Europawahlen 2014 eine verfassungsgebende Versammlung zusammentreten müsse, um einen föderalen Bund ins Leben zu rufen. Wie übrigens auch Robert Menasse lassen die beiden EU-Politiker keinen Zweifel daran, dass es der Europäische Rat ist (das Gremium der Staats- und Regierungschefs), der eine „echte föderale Union“ hintertreibt.

Das gemeinsame Manifest ist von zwei sehr unangenehmen Traditionen beseelt: Gleich doppelt kehrt die Avantgarde, dieses kapitale Gespenst der Geschichte des 19.?und 20. Jahrhunderts, wieder, sowohl als die linksradikale Erbschaft einer revolutionären Vorhut als auch als ultrakonservative Hinterlassenschaft, die sich, angesichts von „feigen, faulen und kurzsichtigen Staatschefs“, einsam an einer Zeitenschwelle wähnt. Beide Traditionsstränge vereinigen sich in einem radikalen Dezisionismus, dem ultimativ letzten Schritt: „Jetzt oder nie.“ Wer da nicht folgt, ist feige, faul, verblendet – ein Konterrevolutionär oder Kretin?

Dieser Aufruf für eine föderale Union Europas kennt, obwohl er fortwährend an die Vielfalt Europas appelliert, wahrhaftig nur zwei europäische Klassen, die EU-Willigen und die Revolutionsunwilligen. In der kleinen EU-Bibliothek der Berliner Zeitung ist dieses Buch, ganz so wie es sich gehört, ein Passierschein für die Barrikade.

Daniel Cohn-Bendit, Guy Verhofstadt: Für Europa! Ein Manifest. Hanser Verlag, München 2012.

Lesung: Berliner Ensemble, Theater am Schiffbauerdamm, Berlin, 03.12.2012, 20 Uhr

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