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Autobiografie Klaus Doldinger: Hier und da hat er Glück gehabt

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Von: Hans-Jürgen Linke

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Klaus Doldinger an seinem 70. Geburtstag in der Philharmonie in Köln.
Klaus Doldinger an seinem 70. Geburtstag in der Philharmonie in Köln. © epd

Klaus Doldinger, dessen Musik viele Bundesbürger sonntags nach der Tagesschau hören, hat seine Autobiografie veröffentlicht.

Am Anfang war Jazz für die Füße, und die Band, mit der sich Doldinger erste Meriten verdiente, hieß „The Feetwarmers“. Sie spielte in der frühen Bundesrepublik traditionellen Jazz und Mainstream und war Vorbote größerer Ereignisse und Erfolge. Auf Initiative seines Sohnes und mit Hilfe des Journalisten Torsten Groß hat Klaus Doldinger jetzt seine Autobiografie veröffentlicht.

Geboren 1936 in Berlin, die Mutter fürsorglich, aufmerksam und kultiviert, der Vater als Ingenieur zunächst im Kriegseinsatz, später in verantwortlicher Position bei der Bundespost ständig unterwegs, mehrere Wohnortwechsel, und in Schrobenhausen passierte Bedeutsames: In einem Gasthof sah und hörte der neunjährige Klaus fremd aussehende Männer mit interessanten Musikinstrumenten. Was sie spielten, klang „vollkommen anders als die klassische Musik, die mein Vater spielte, oder die zackigen Märsche der Naziparaden“.

Den Eindruck, den der Jazz auf ihn machte, beschreibt er: „Zu dieser Musik hätte man nicht in Reih und Glied marschieren oder die Hacken zusammenschlagen können“. Das ist, bündig zusammengefasst, das, was die, die Jazz machten und hörten, zu dieser Zeit über den Jazz dachten.

Klaus Doldinger wurde einer der international populärsten und erfolgreichsten deutschen Musiker seiner Generation, weit über das hinaus, was man „Jazz“ nennt. Seine Autobiografie ist eine weitgehend chronologische Erfolgs-Erzählung, die detailreich und anekdotenverliebt Stationen seines Berufslebens sorgsam nachzeichnet, viele Namen fallen lässt und viele Weggefährten und Weggefährtinnen seiner dauerhaften Freundschaft versichert. Dass er auch ein Privatleben hat, findet eher skizzenhaft und am Rande Erwähnung. Für einen voyeuristischen Blick hat das Buch also erfreulich wenig zu bieten.

Das Buch:

Klaus Doldinger: Made in Germany. Mein Leben für die Musik. Piper Verlag, München 2022. 320 Seiten, 26 Euro.

Auch komplexe Beziehungen

Hier und da wird es exemplarisch, etwa bei dem oben skizzierten Initiationserlebnis. Oder wenn er emotionale Veränderungen in seinem Amerika-Bild registriert, über Tournee-Stress erzählt, über das Goethe-Institut oder die komplexen Beziehungen zwischen Musikern oder Musikerinnen und denen, die sie auf dem Markt repräsentieren.

Aber Doldinger klagt nicht und will mit niemandem abrechnen. Er ist ein rundherum positiver Selbstbiograf und hat hier und da Glück gehabt. Zum Beispiel mit seiner Frau Inge oder damit, dass Siggi Loch, einer der großen Marketing-Männer der Tonträger- und Konzertveranstalter-Branche, ihn unterstützt hat und ihm freundschaftlich verbunden geblieben ist.

Doldingers Ideenreichtum und stilistische Offenheit kamen seinen Bands zugute, deren erste Motherhood hieß. Dann kam Passport, in den ersten Jahren mit fester Besetzung, später eher eine Art Durchlauferhitzer für zahlreiche Musiker, unter denen Udo Lindenberg der berühmteste ist.

Aus der ökonomischen Enge des Jazz konnte Doldinger sich früh lösen, indem er für Filme, fürs Fernsehen und für die Werbeindustrie komponierte. Die bekanntesten in diesem Kontext entstandenen Arbeiten sind Filmmusiken für „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“, vor allem aber der nicht mitsingbare Tatort-Jingle, den ein beträchtlicher Teil der bundesdeutschen Bevölkerung sonntags nach der Tagesschau zu hören bekommt.

Klaus Doldingers Autobiografie durchpflügt das Lebensgelände mit nur geringem Aufwand an Analyse und Selbstreflexion, dafür mit dem Selbstbewusstsein eines Erfolgsmenschen, der den Erfolg verdient hat, aber bodenständig geblieben ist. Sein Rückblick kommt ohne tiefere Brüche und Eintrübungen, aber auch ohne Weihrauch aus. Mehr kann niemand erwarten nach sieben Jahrzehnten Arbeit in der Musikbranche.

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