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George Saunders bei der Verleihung des Man-Booker-Preis in London.

Literaturpreis

Auszeichnung für George Saunders

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Schon wieder ein Amerikaner: Mit seinem Roman „Lincoln im Bardo“ gewinnt George Saunders den britischen Man-Booker-Preis.

Im Luchterhand Verlag in München haben die Mitarbeiter jetzt eine Sorge weniger und eine Freude mehr. Im Gespräch über das kommende Frühjahr wurde auf der Frankfurter Buchmesse immer wieder auf George Saunders’ Roman „Lincoln im Bardo“ hingewiesen, der in den USA bereits gewaltigen Erfolg habe. Aber ja, hieß es, der Titel sei schwierig zu vermitteln, weder habe Lincoln hierzulande solch große Bedeutung wie dort, noch sei der Begriff Bardo geläufig. Dass der 58-jährige George Saunders bisher nur als Autor von Erzählungen bekannt ist, exzellenten Erzählungen, das schwang irgendwie auch noch mit.

Nun gibt es ein unschlagbares Verkaufsargument für den ersten Roman dieses Autors, dessen Erscheinen auf Deutsch für Mai angekündigt ist. Saunders hat dafür am Dienstagabend den britischen Man-Booker-Literaturpreis bekommen. Er ist mit 50.000 Pfund (56.000 Euro) dotiert und gilt als wichtigste britische Auszeichnung für Literatur.

„Lincoln in the Bardo“ handelt von der Trauer des US-Präsidenten Abraham Lincoln um seinen 1862 verstorbenen elfjährigen Sohn. Das Wort „handeln“ verbietet sich hier eigentlich. Wenn man der US-Kritik folgt, umkreist, beschwört, bedenkt der Roman diese Trauer, diesen persönlichsten Tiefpunkt für einen öffentlich sichtbaren Mann. Die Jury würdigt vor allem die „geistreiche, intelligente und tief bewegende Erzählung“.

Dass Saunders der Preis zuerkannt wurde, verdient Beachtung aus mehreren Gründen. Denn noch nicht lange werden englischsprachige Romane generell dafür geprüft. Seit seiner Stiftung 1969 bis 2013 war er Autoren aus dem Vereinigten Königreich, Irland oder dem Commonwealth vorbehalten. Saunders ist aber US-Amerikaner: In Texas geboren, in einem Vorort von Chicago aufgewachsen, lebt er heute im Bundesstaat New York, wo er seit 1997 an der Syracuse University lehrt. Einige siner Erzählungen wurden ins Deutsche übersetzt, seinen Durchbruch erlebte der Autor hier mit dem Band „Zehnter Dezember“, der kühn verbundene, gedanken- und gefühlsverwirrende Short Stories enthält. Saunders’ Name stand in der Endauswahl etwa neben Paul Auster. Arundhati Roy und Zadie Smith hatte er bereits in der Vorgruppe hinter sich gelassen. Bardo bezeichnet übrigens einen Bewusstseinszustand im Irgendwo zwischen Leben und Tod.

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