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Buchstaben in Flusslandschaft: die Halle des Gastlandes Kanada. Foto: Renate Hoyer
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Buchstaben in Flusslandschaft: die Halle des Gastlandes Kanada bei der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse: Die Anwesenden, die Abwesenden

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der große Besucherandrang bleibt noch aus. Es ist noch etwas gespenstisch, aber es ist trotzdem eine Frankfurter Buchmesse.

Es ist vieles ganz anders als im vergangenen Jahr, was dennoch daran erinnert, über welchen Zeitraum wir immerhin reden, wenn wir über Corona reden. 2020 musste der Präsenzanteil der Frankfurter Buchmesse immer weiter heruntergeschraubt werden und lief am Ende auf eine bizarre, aber auch sehenswerte Bühnensituation in der Festhalle hinaus. Die Festhalle dabei die unendlichen Weiten des Weltraums, die Bühne das Raumschiff Enterprise. 2021 hingegen konnte man sich in den vergangenen Wochen davon überrumpeln lassen, dass die Buchmesse nicht nur stattfindet, sondern dass die Bedingungen auf dem Weg dorthin auch immer besser wurden.

Zuerst, erzählen nacheinander zwei, nein, drei Verlagsmitarbeiterinnen, sei es noch darum gegangen, wer überhaupt mit aufs Gelände dürfe, dann sei es von einer „Buchausstellung“ („schreckliche Vorstellung, oder“, sagt Verlagsmitarbeiterin 3) immer mehr zu einer normalen Planung geworden.

Wer jetzt keinen Stand hat, verbringt eine Frankfurter Buchmesse ohne eigenen Stand. Wer schon zu oft auf der Frankfurter Buchmesse war, läuft jetzt gegen Wände, weil nicht alles offen ist (und nebenan das verlagerte, aber weiterhin arbeitende Frankfurter Impfzentrum). Wer auf der Buchmesse immer schon einmal seine Ruhe haben wollte, fühlt sich jetzt relativ wohl. Wer auf der Buchmesse traditionell klaustrophobische Anwandlungen hat, reckt und streckt sich jetzt auf den extrabreiten Gängen. Lässt sich damit Geld verdienen? Wir werden sehen. Alles, was 2020 ernüchternd und traurig war, ist diesmal frühlingshaft. Dafür braucht es nicht mal Trotz.

Buchmesse in Frankfurt: Sichtbar zu sein ist Losung der Stunde

„Die Abwesenheit von Geld“ heißt der auf der Messe aufgenommene „Lakonisch elegant“-Podcast, der im Verein mit dem Internet-Feuilleton 54books die Verdienstmöglichkeiten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern auslotet. Die Verdienstmöglichkeiten sind nicht besonders gut. Der mal eben reingerufene Vorschlag, jeder, der es sich leisten könne, solle hundert Euro im Monat für Kultur ausgeben, ist andererseits nicht so unvernünftig, wie es klingt. Wer Kultur konsumiert, ist Teil des Systems und für die Situation mitverantwortlich. In der quicklebendigen Diskussion, bei der es sich um eine sehr zeitgenössische Zusammenstöpselung aus diversen Ü-Wagen sowie einer Privatwohnung handelt, wird zugleich auf die Möglichkeiten hingewiesen, über soziale Medien als schreibender Mensch sichtbarer zu werden.

Frankfurter Buchmesse

Besuchertage bis Sonntag, Anmeldung nur vorab. Das Kontingent für den Samstag war am Freitagnachmittag erschöpft. www.buchmesse.de

Sichtbar zu sein: Losung der Stunde. Die Frage, ob die Welt damit größer oder nicht auch wieder kleiner wird – vielleicht so klein wie eine Twitterblase, vielleicht so klein, wie mein Auge reicht, das wäre also erschreckend klein, auch wenn es eine Welt wäre, in der ich definitiv vorkäme –, steht im Raum, und auch sie hat auf der Buchmesse endlich einmal genug Platz.

Platz ist nämlich auch und ohnehin für die halbprivaten Gespräche, die kein Mensch via Zoomverabredung führen würde. So kommt die Frage auf, ob es Zeit für eine sehr großangelegte Aktion mit anonymisierten und entkontextualisierten literarischen Texten wäre. Und umgekehrt kommt gleich die Frage auf, was das brächte. Und man stellt fest – Mund-zu-Mund-Besprechungen sind nicht zu übertreffen –, dass noch ein anderer zugehört hat, wie Sasha Marianne Salzmann am Dienstag bei der Open-Books-Eröffnung sagte: Die Frage, wer du bist, sei immer die Frage, wer deine Mutter ist.

Buchmesse in Frankfurt: Die Abwesenheit von Büchern

In der Halle des Gastlandes Kanada ist die Frage, wer du bist, vor allem die Frage, welche Sprache du sprichst. Hier kann man einem Cree-Übersetzer zuhören, der versucht zu erklären, dass er in Cree anders denkt, sich nicht nur in einer anderen Vorstellungswelt bewegt, sondern tatsächlich in einer anderen Welt. Dass das Übersetzen aus dem Cree für ihn kein Vergleich sei mit Übersetzungen zwischen dem Französischen und Englischen, Sprachen aus derselben Welt.

Der Cree-Übersetzer und andere Protagonisten und Protagonistinnen der kanadischen Literatur begegnen dem Publikum in topmodernen Filmaufnahmen, die in die illuminierte Wellenlandschaft der Gastland-Halle eingearbeitet wurden. Hier zeigt sich keine Abwesenheit von Geld, aber eine Abwesenheit von Büchern, was vermutlich hygienetaktische Gründe hat, mit der Hilfe von QR-Codes zum Teil auch wettzumachen ist, aber für eine Buchmesse dennoch eine ziemliche Irritation darstellt. Entlang an einem roten Faden (Bodenstreifen, nützlich in dieser schillernden Gegend) flaniert man durch eine prächtige, mit attraktiven Spiegeleffekten versehene Ausstattung, eingehüllt in eine Entspannungsübungsmusikschleife. Obwohl man das Ganze auch auf einer Messe für nachhaltigen Tourismus direkt noch einmal aufbauen könnte, ist es (eben wie nachhaltiger Tourismus) unwiderstehlich.

Frankfurter Buchmesse löst praktische Probleme

Wo aber führt man die halbprivaten Gespräche, wenn man keinen eigenen Stand hat? Beispielsweise im Sitzbereich neben dem „Blauen Sofa“, der delikatesten Zone der Messe, denn über Eck haben auch zwei sogenannte neurechte Verlage einen Platz zugewiesen bekommen, was, wie berichtet, zu Absagen und Boykottaufrufen führte (s. auch Interview auf dieser Doppelseite). Eine seitens der Buchmesse echt blöde, eine verblüffend unbedacht wirkende Platzierung. Andererseits ist es etwas Mickriges, das dadurch in den Blick gerät. Die Gesprächpartnerinnen abwechselnd: Ach, das sind die, ach, die sind das. Dann ist eh von anderem die Rede.

Es darf auch wieder signiert werden, auf dem Gelände wie bei den Lesungen in der Stadt sind hierfür kleine Plexiglaspostschalter eingerichtet, mit einer Luke für die Bücher. Praktische Probleme in großer Zahl sind in den vergangenen Monaten gelöst worden. (Judith von Sternburg)

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