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Auch ein Popstar

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Von: Regine Seipel

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Fast wie ein Popstar: Frank Schätzing.
Fast wie ein Popstar: Frank Schätzing. © dpa

Bestseller-Autor Frank Schätzing ist mit seinem jüngsten Roman "Breaking News" auf multimedialer Lesetour, jetzt auch in Frankfurts Alter Oper.

Ein reifer Mann, der im Leben schon einiges erreicht hat, verwirklicht seinen Jugendtraum: Frank Schätzing glänzt als Bestseller-Autor, dabei wollte er früher mal Popstar werden. Daran muss man denken, wenn er gemessenen Schrittes zu suggestiven Klängen über die Bühne der Alten Oper schreitet, nachdem die israelische Sängerin Ofrin schön gesungen hat. Die Silhouetten beider Figuren überschneiden sich auf der Leinwand, dann bleibt er stehen, es wird still und er liest wieder eine längere Passage aus seinem neuesten Bestseller „Breaking News“. Im Saal bleibt es lange dunkel. Nur sein Gesicht ist hell erleuchtet und mit dem silbrigen Haar sieht Schätzing fast aus wie der Prophet, der er eigentlich gar nicht sein will, obwohl er im „Schwarm“ die Tsunami-Katastrophe und in „Breaking News“ der jüngsten Eskalation im Gaza-Konflikt vorwegnahm.

Dramatische Pausen

Lesen kann Schätzing gut, kraftvolle Stimme, perfekte Betonung, dramatische Pausen. Trotzdem spielen Textpassagen aus dem Roman nur eine untergeordnete Rolle. Schätzing will Kino für die Ohren machen und bietet vor allem eine technisch aufwendige, gut einstudierte One-Man-Show, die routiniert abgespielt wird.

Dazu gehören Musik, die der Autor selbst komponiert hat, Geräusche und eingespielte Dialoge. Zur Ouvertüre ertönt ein Klangbrei aus mehrsprachigen Nachrichtenfetzen, Metapher für eine seiner zentralen Botschaften: dass der Nahost-Konflikt, um den es in „Breaking News“ geht, in der täglichen medialen Aufbereitung zum Abschalten führt. Schätzing wollte das Drama verstehen, deswegen hat er sich das Thema vorgenommen, seine Leser sollen folgen.

Im Roman klärt der Autor in Geschichtsbüchern ähnlichen Passagen anhand der Lebensgeschichte von Ariel Sharon auf; auf der Bühne kürzt er diesen Teil mit launigen Anekdoten seiner Vor-Ort-Recherchen ab, schildert Begegnungen mit Menschen und streut auch mal Witze ein, die das Lebensgefühl in der Krisenregion widerspiegeln. Gelesen wird aus dem zweiten actionreichen Handlungsstrang des Romans: Die Geschichte des gescheiterten Kriegsreporters Tom Hagen, der Geheimdienstintrigen auf der Spur ist. Dazu quietschen Reifen, heulen Motoren, krächzen Geier, brodelt der Lärm orientalischer Basare. Man kann sich gut vorstellen, dass „Breaking News“, wie jüngst vermeldet, bald als Fernsehserie verfilmt wird. Die Show ist abwechslungsreich und hat in weiten Teilen Unterhaltungswert – nicht jeder Popstar kann das bieten.

Weitere Lesetermine (Auswahl): 20. Oktober, Flensburg; 22., Berlin; 1. November, Leipzig; 2., München; 5., Freiburg; 23. Nov. Mannheim.

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