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Auch bei der Uraufführung waren die Akteure in Fahrt. „Figaros Hochzeit“, hier in Claus Guths Salzburger Inszenierung, 2011.
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Auch bei der Uraufführung waren die Akteure in Fahrt. „Figaros Hochzeit“, hier in Claus Guths Salzburger Inszenierung, 2011.

Martin Geck „Kürzeste Geschichte der Musik“

Auch das muss ja noch erwähnt werden

Knapp und ausschweifend zugleich: Martin Geck legt seine „Kürzeste Geschichte der Musik“ vor, hat einiges zu bieten und bleibt doch unter dem Standard, den er selbst für das Schreiben über Musik gesetzt hat.

Von Tim Gorbauch

Seit er sich aus Altersgründen als Professor der Musikwissenschaften von der Universität Dortmund zurückzog, vor etwas mehr als 15 Jahren muss das gewesen sein, ist seine Schreiblust legendär. In jedem Jubiläumsjahr, egal ob von Mozart, Brahms, Wagner, Schumann oder zuletzt Matthias Claudius – der neue Martin Geck ist verlässlich da. Und nicht nur das, oft ist er auch irrsinnig inspirierend. Gerade sein Mozart, 2006 zum 250. Geburtstag erschienen, ist längst ein Standardwerk, eigenwillig, entschieden subjektiv und mit enormer Weitsicht geschrieben. Wie es nur geht, wenn man wie er nie Spezialist werden, Musik nie nur in Ausschnitten erforschen und durchdenken wollte. Manche erkennen in ihm nicht ohne Grund einen der letzten Universalgelehrten der deutschen Musikwissenschaft.

Nun hat Geck, bald 81 Jahre alt, „die kürzeste Geschichte der Musik“ geschrieben, was natürlich nicht stimmt, aber einen guten Buchtitel hergibt. Dafür riskiert Geck wieder einen bewusst subjektiven Zugriff. Schon in der thematischen Auswahl wird das offensichtlich, die nicht auf enzyklopädische Vollständigkeit setzt, sondern auf Vorlieben. Vor allem aber schlägt Gecks Subjektivität im Schreiben und Denken selbst durch. Am stärksten ist er gerade dann, wenn er nicht Wissen austariert, sondern leidenschaftlich argumentiert. Wenn die Liebe zum Gegenstand spürbar wird. Wenn er staunend vor der Musik und in ihrer Unsagbarkeit steht – und genau das in Worte zu fassen vermag.

Das gelingt Geck umso besser (aber leider auch nicht immer), je vertrauter ihm die Musik, je näher ihm ein Komponist ist. Schon im Vorwort vermerkt er: „Dass der Autor Themen bevorzugt, in denen er sich besonders zu Hause fühlt, dürfte nicht zum Schaden des Buches sein“. Also zum Beispiel Bach, Mozart, Beethoven, Wagner. Die frühen der insgesamt 19, Gattungen wie Biografien streifenden Kapitel, etwa seine Einlassungen zur Musik im alten China oder zu den Stimmen der Naturvölker wirken dagegen eher wie etwas hastig kompilierte Sammlungen.

Wenn es spannend wird, geht es zu schnell weiter

Bei Wagner, einem seiner Säulenheiligen, konzentriert er sich auf das Verhängnis der Macht und den Ring des Nibelungen, diese gewaltige, „umfassende Aussage über den Zustand der Welt“, diesen „Poker um Macht und Liebe“. Wagner, lässt Geck dabei wissen, begegnete ihm spät, lange nach Bach und Mozart, die in seinem Elternhaus omnipräsent waren. Und er begreift seine Musik philosophisch. Als eine Utopie „vermag sie Hoffnung auf eine Zukunft zu machen, die wir uns zwar wünschen, aber nicht konkret vorstellen können“ – ein spannender Gedanke, doch zu schnell verliert sich Geck dann im anekdotischen Plauderton über Stabreim, Leitmotiv und König Ludwig, das alles muss ja mal erwähnt werden.

Die heikle Balance, die ihm etwa in seiner Mozart-Biographie so eindrucksvoll gelang, dieser fast hybride Versuch, für das große Publikum zu schreiben, ohne an Detailschärfe zu verlieren, Anklang zu finden und doch präzise zu bleiben, ist in diesem Büchlein selten geglückt. Gecks Bemerkungen zur Bach-Familie etwa zerfransen in vielen biographischen Details, während umgekehrt der Erzählton seltsam lapidar bleibt.

In den achteinhalb Seiten über Mozart verwendet er eine für die Beschreibung, wie euphorisch die Sänger in der Generalprobe zur „Hochzeit des Figaro“ seine Musik aufnahmen – um zu spekulieren: „Wer selbst Künstler ist, kann sich gut vorstellen, dass solche Situationen die eigentlichen Glücksmomente gewesen sind – und nicht ein Empfang beim Kaiser oder eine gelungene Premiere.“ Geck selbst hat einen anderen Standard im Schreiben über Musik gesetzt. Fast scheint es, als wolle er in diese kürzeste Geschichte der Musik doch zu viel hineinpacken, knapp und doch launisch und ausschweifend erzählen. Dabei wäre eine radikalere Zuspitzung auch in den einzelnen Kapiteln womöglich der lohnendere Weg gewesen.

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