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„Atlas der Weltwirtschaft“

Corona: Erschreckende Auswirkungen von Corona auf die Wirtschaft von Deutschland und der Welt

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Der „Atlas der Weltwirtschaft 2020/2021“ legt erschreckende Zahlen vor. Wem es schlecht geht, dem geht es dank Corona noch einmal schlechter.

  • Corona: „Atlas der Weltwirtschaft 2020/2021“ zeigt die Auswirkungen von Corona auf die Weltwirtschaft.
  • Einbrüche in der Wirtschaft: Beängstigende Zahlen aus Deutschland und der Welt.
  • Weltwirtschaft: Wem es schlecht geht, dem geht es dank Corona noch einmal schlechter.

Berlin - Heiner Flassbeck, geboren 1950, war als Staatssekretär im ersten Schröder-Kabinett wesentlich an Lafontaines von Schröder gestopptem Versuch einer Reform des Weltwährungssystems beteiligt. Von 2000 bis 2012 war er Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD), zuständig für Globalisierung und Entwicklungspolitik. Sein neuestes Buch ist „Der begrenzte Planet und die unbegrenzte Wirtschaft“ (Westend-Verlag).

„Atlas der Weltwirtschaft 2020/2021“: Die Auswirkungen von Corona auf die Weltwirtschaft

Zusammen mit Friederike Spiecker und Stefan Dudey hat er jetzt einen „Atlas der Weltwirtschaft 2020/2021“ vorgelegt, zu dem auch 16 Seiten zu den Auswirkungen von Corona auf die Weltwirtschaft gehören. Ein solcher Atlas ist für die Beteiligten kaum zusätzliche Arbeit. Sie haben schließlich täglich mit den in ihm vorgelegten Zahlen zu tun. Sie analysieren sie vorwärts und rückwärts. Aber für uns ahnungslose Konsumenten ist es doch sehr schön, vor Augen geführt zu bekommen, dass im Jahre 2000 die USA 20,4 Prozent der weltweiten in Geld gerechneten wirtschaftlichen Aktivitäten aufbrachten, Europa 23,5 Prozent und China 7,3 Prozent. 2019 hatte sich das Welt-BIP von 50,2 auf 142 Billionen PPP-$ beinahe verdreifacht, vor allem aber gewaltig umgeschichtet: USA: 15,1 Prozent, Europa: 16,1 und China 19,2 Prozent. Der Anteil Indiens stieg von 4,2 Prozent auf 7,8 Prozent. Lateinamerika, Russland, Mittlerer Osten und Japan verringerten ihre Anteile.

Slum am Rande von Jammu, Indien: Zweimal in der Woche können Kinder hier kostenlos Unterricht bekommen.

Eifrigen Zeitungsleserinnen und -lesern ist das bekannt. Aber es lohnt, sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen. Blickt man auf die Investitionen, sieht die Sache noch verhängnisvoller aus. In China, Indonesien und Indien liegt das Volumen der Investitionen im Jahre 2019 deutlich über denen des Jahres 2000. In Deutschland und den USA ist es umgekehrt. Dabei stiegen die weltweiten Investitionen von 8,03 Billionen US-Dollar im Jahr 2000 auf 22,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2019.

Wirtschaft: Bei den Nominallöhnen liegt Deutschland tiefer als im Jahr 2000

Noch einen Blick auf die Nominallöhne. Flassbeck, Spiecker und Dudey schreiben dazu: „Am besten verdienen Arbeitnehmer heute wie vor 20 Jahren in der Schweiz. Deutschland liegt unter den 50 hier vorgestellten Ländern auf Platz 10 und damit einen Rang tiefer als im Jahr 2000. Deutlich zurückgefallen ist Italien von Platz 6 auf Platz 16 unter den hier aufgeführten Ländern, und auch Spanien ist relativ abgestiegen und knapp hinter die aufholende Republik Korea gerutscht. Schweden ist den umgekehrten Weg gegangen und konnte sich vom 20. Auf den 9. Platz verbessern. Eine Erfolgsgeschichte hat Russland vorzuweisen. Es stieg im Rang von Platz 48 auf Platz 34 und holte gemessen am Arbeitseinkommen eines deutschen Arbeitnehmers von gut einem Viertel auf über die Hälfte auf. Ähnliches gilt für Bulgarien, Rumänien und die baltischen Staaten.“ Die Mexikaner verdienen dagegen heute nur noch etwas mehr als ein Viertel dessen, was ihr Nachbar in den USA verdient. Im Jahr 2000 war es noch ein Drittel gewesen.

Das Buch:

Heiner Flassbeck, Friederike Spiecker und Stefan Dudey (Hrsg): Atlas der Weltwirtschaft – Zahlen, Fakten und Analysen zur globali- sierten Ökonomie. Westend Verlag, Frankfurt a. M. 2020. 129 Seiten, 18 Euro.

Corona: Wem es schlecht geht, geht es dank Corona noch einmal schlechter

Und Corona? Die Zahlen sind natürlich mit noch mehr Vorsicht zu genießen als die anderen. Die Erhebungen sind schwierig und sicher fehlerhaft. Verglichen werden hier das erste Quartal des Jahres 2020 mit dem zweiten Quartal des Jahres. Wir haben es also nicht mit Prä-Corona-Zeiten und wir haben es nicht mit dem aktuellen Stand zu tun. Die Einbrüche liegen zwischen einem Minus von 25,2 Prozent in Indien und einem Minus von 3,2 Prozent in Südkorea. Das Vereinigte Königreich hat einen Rückgang von 20,3 Prozent zu verbuchen, Deutschland 9,7 Prozent, USA 9, Brasilien 9,6 und China 10 Prozent. Spaniens Minus liegt bei 17,8, Argentiniens bei 16,2 und Mexikos bei 17 Prozent. Das ist alles sehr beängstigend.

Wem es schlecht geht, dem geht es dank Corona noch einmal schlechter. Über Italien heißt es im Atlas: „Dort lag das Niveau der Industrieproduktion mit seinem höchsten Wert Ende 2017 um 17 Prozent unter dem Höchststand von vor der Finanzkrise. Ausgehend von diesem schlechten Niveau ist die italienische Industrie nun im ersten Halbjahr 2020 um -24 Prozent abgestürzt und damit in der gleichen Größenordnung wie zwischen 2008 und 2009. Auch hier konnten die anderen Wirtschaftsbereiche den industriellen Einbruch jetzt nicht abfedern wie in der Zeit der Finanzkrise.“

Das sind alles erschreckende Zahlen. Für gute Laune ist der „Atlas der Weltwirtschaft 2020/2021“ nicht zuständig. Aber: „Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?“

Rubriklistenbild: © Channi Anand/AP/dpa

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