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Das Haus Rüschhaus am Ausgangspunkt.
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Das Haus Rüschhaus am Ausgangspunkt.

Kultur-Wanderweg

Auf Annette von Droste-Hülshoffs Spuren auf dem Lyrikweg: Als ob Natur die Trödelbude aufgeschlagen

  • Monika Gemmer
    VonMonika Gemmer
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Wandern mit der Dichterin: Der „Droste-Landschaft – Lyrikweg“ bei Münster ist eröffnet.

Im Herbst 1826 hatte Annette von Droste-Hülshoff keine Zeit für Poesie. Sie musste sich mit dem Verbleib von Gemüsekörben, Bettstangen und Bügelbrettern beschäftigen, die beim Umzug verschütt gegangen waren. Die knapp 30-Jährige siedelte in diesen Tagen mit Mutter und Schwester aus der heimischen Burg Hülshoff bei Münster ins nahegelegene Haus Rüschhaus über. Das Landhaus diente als Witwensitz, und dies früher als geahnt: Vater Clemens August von Droste zu Hülshoff war im Juli unerwartet gestorben, Annettes jüngerer Bruder Werner hatte den Stammsitz übernommen. Der Auszug aus dem geliebten „Vaterhaus“ war für die Dichterin eine Zäsur – auch wenn der Abschied von den „breiten laubgewölbten Hallen (…) wo ewig meine Seufzer wallen und meines Fußes Spuren stehn“ kein endgültiger war.

Hülshoff und Rüschhaus, ihre beiden zentralen Wohn- und Schaffensorte, verbindet ein Weg von viereinhalb Kilometern – eine Strecke, die Annette von Droste zu Fuß und in schweren Röcken in einer Stunde bewältigte. Wenn die Münstersche Aa, die auf etwas mehr als halber Strecke überquert werden musste, nicht gerade über die Ufer trat, nahm sie auch gelegentlich die Familienkutsche.

Annette von Droste-Hülshoff.

Dem mäandernden Bach hat man längst die meisten seiner Schleifen genommen, Äcker sind flurbereinigend neu zugeschnitten, Wegverläufe geändert und befestigt. Aus der damals oft mühsamen Tour ist ein leichter Spaziergang von einem Droste-Museum zum anderen geworden. Mit dem „Lyrikweg“ ist ein drittes, ein Outdoor-Museum hinzugekommen, das an elf ausgebauten Stationen und weiteren digitalen Haltepunkten in Droste- und Gegenwartstexten über die Dichterin und ihren Blick auf die Natur informiert.

Rüschhaus und Hülshoff verbindet auch die „Droste-Landschaft“ mit Heide, Kamp, Wallhecken und stillen, von Schwertlilien umkränzten Weihern, die die „Stockmünsterländerin“ zu einem elementaren Thema vieler Gedichte und Prosatexte machte. In den „Heidebildern“ wird diese Landschaft zur Bühne für ein surrendes, schnurrendes, brummendes „Krimmeln und Wimmeln“ im Gezweige, das sich bei näherer Betrachtung – Droste war sehr kurzsichtig – zu einem Orchester formiert, mit geigenden Grillen, ins Horn blasenden Käfern und Mücken, die die Triangel schlagen. Ringsum steht verschämt der Zitterhalm, pudert sich die Weide, streckt die dürstende Linde ihre Wurzeln nach dem Wasser des nahen Baches. Und wenn die Hobby-Paläontologin, das Geologenhämmerchen stets parat, auf ihren Streifzügen Erdschicht um Erdschicht bunten Gesteins freilegte, war ihr, als ob „Natur die Trödelbude aufgeschlagen“.

In den Heidebildern der Annette von Droste-Hülshoff hat manches überdauert, was heutige Wanderer und -innen hier kaum mehr finden. Die Rüschhauser Heide ist inzwischen bewaldet, von den alten Wallhecken an Wegesrändern blieben nur wenige stehen. Die Aa ist gebändigt, „Zwei Brücken“, der damalige Übergang, durch eine Straßenbrücke ersetzt. Hof Hüerländer, einer der damals zu Rüschhaus gehörenden Kotten, ist zwar noch immer benachbart, steht jedoch an anderer Stelle – das Anwesen musste dem Autobahnbau weichen. A1 und Bundesstraße 54 nehmen das einst wie verschollen gelegene Wohnhaus der Dichterin von zwei Seiten in die Zange, und das Konzert der noch verbliebenen Arten hat keine Chance mehr, sich gegen das Rauschen des Verkehrs zu behaupten.

Doch nicht alles ist perdu: Die frühere Wasserburg Haus Vögeding, wo Annette von Droste unterwegs gern zum Plaudern einkehrte, sich eine Buttermilch schmecken ließ oder ein Gänseei requirierte, ist erhalten und bildet eine der Stationen auf dem Lyrikweg. Auch der ehemalige Hof Wittover steht noch an Ort und Stelle: Seine Hanglage über der Aa erlaubte den prüfenden Blick auf den Wasserstand, bevor die von Rüschhaus nach Hülshoff reisenden Familienmitglieder ihren Weg bei zweifelhaftem Wetter fortsetzten.

Etwa dort, wo ein Denkmal aus Sandstein auf halber Strecke seit den 80er Jahren an Annette von Droste erinnert, zweigte zu ihrer Zeit der Alte Hülshoffer Landweg ab. Heute liegt er unter Feldern, die jetzige Wegführung zwingt zu einem Schlenker. Hier wie auch an einigen anderen Stellen muss der Lyrikweg vom historischen Pfad abweichen.

Annette von Droste-Hülshoff ging ihn wohl öfter, als ihr lieb war: Ständig plagte eines der Kinder aus der Bruderfamilie der Husten, wurde die unverheiratete Tante als Krankenpflegerin angefordert, während daheim in Rüschhaus die Verse unvollendet blieben. Durchaus möglich, dass sie der nunmehr dreihundertjährigen Eibe, die heute auf einem Teil der landwirtschaftlich genutzten Münsterländer Parklandschaft steht, im Vorübergehen ihr Leid geklagt hat.

Zur Sache

„Droste-Landschaft – Lyrikweg“ ist ein Projekt der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung.

Eine App steht als digitale Begleiterin auf dem Kultur-Erlebnisweg zur Verfügung. Mehr Infos unter www.lyrikweg.net

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