Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Maschinengewehrposten auf dem Spittelmarkt in Berlin während des Kapp-Putschs im März 1920.
+
Maschinengewehrposten auf dem Spittelmarkt in Berlin während des Kapp-Putschs im März 1920.

Historischer Roman

Andreas Izquierdo: „Revolution der Träume“ – Auf einer Blumenwiese zwischen zwei Totenackern

  • VonPetra Pluwatsch
    schließen

Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg als intelligenter historischer Schmöker von Andreas Izquierdo.

Der Erste Weltkrieg ist verloren, Deutschland steht am Rande einer Revolution. Es wird noch Jahre dauern, bis das Land scheinbar zur Ruhe kommt. Um bald darauf in die nächste Katastrophe, den nächsten Krieg zu marschieren. Auch Isi, Carl und Artur versuchen, sich zurechtzufinden in einer aus den Fugen geratenen Welt. Der Krieg hat sie aus Westpreußen nach Berlin gespült: Isi, die aufmüpfige Lehrertochter, Carl, den schüchternen jüdischen Schneidersohn, und Artur, den Schulabbrecher und Frontkämpfer. Im November 1918 finden sie sich durch Zufall in der zerschrammten Hauptstadt des deutschen Reiches wieder und versuchen, sich neue Existenzen aufzubauen.

„Revolution der Träume“ von Andreas Izquierdo schließt nahtlos an den Vorgängerband „Schatten der Welt“ an. Erneut setzt Izquierdo auf einen vielschichtigen Plot und taucht tief hinein in die historische Realität einer von Kriegen und Unruhen geprägten Epoche. Der Kölner Autor erweist sich damit ein weiteres Mal als versierter Erzähler und profunder Kenner der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Isi, Carl und Artur stammen aus dem westpreußischen Thorn, das inzwischen zu Polen gehört. Dort haben sie ihre Kindheit und Jugend verbracht, ein unzertrennliches Trio, das gegen das Obrigkeitsdenken einer Ständegesellschaft rebellierte und die Grenzen der gesellschaftlichen Etikette auslotete. Mittlerweile sind sie erwachsen, Thorn gehört ebenso der Vergangenheit an wie die Werte des kaiserlichen Deutschlands. Die Kriegsjahre sind auch an ihnen nicht spurlos vorübergegangen. Carl hat als Kriegsfotograf die Gräuel an der Front miterlebt. Isi saß ein Jahr im Gefängnis. Artur hat in Riga Frau und Kind verloren, sein von einer Kriegsverletzung entstelltes Gesicht verbirgt er hinter einer Halbmaske.

Das Buch

Andreas Izquierdo: Revolution der Träume. Roman. Dumont, Köln 2021. 512 Seiten, 16 Euro.

Schmach und Legende

Im revolutionsgeschüttelten Berlin bleibt es unruhig für die drei. Der Traum zigtausender Aufständischer von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit endet nach nur wenigen Wochen im Kugelhagel der Freikorps. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden ermordet, während die reaktionären Kräfte erstarken und die Schmach eines verlorenen Krieges mit der Mär von der „Dolchstoßlegende“ erklären. Die Weimarer Republik steht von Anfang an auf wackeligen Beinen, und Frieden, erkennt selbst der unpolitische Carl äußerst prophetisch, ist „nur die Blumenwiese zwischen zwei Totenackern“.

Der ehemalige Kriegsfotograf hat einen Job als Kameramann bei der Ufa gefunden und arbeitet mit Ernst Lubitsch und anderen Filmgrößen. Auch Artur bekommt allmählich festen Boden unter den Füßen. Er eröffnet mehrere zwielichtige Clubs und gerät schon bald mit einer Berliner Unterweltgröße aneinander. Die flattrige Isi heiratet einen adeligen Hallodri, was genügend Konfliktpotenzial hergibt, um gleich mehrere Kapitel zu füllen. Doch egal was passiert – die Freunde stehen zusammen. „Wir legten die Hände aufeinander. Und es war, als wäre keine Zeit vergangen, als wären wir wieder die drei Halbwüchsigen aus Thorn, die zusammen die Welt erobern wollten. Als hätten wir den Pakt erneuert, immer füreinander da zu sein.“

Izquierdos ebenso packender wie anrührender Roman ist eine Hommage an eine unverbrüchliche Freundschaft, die kein Wenn und Aber kennt. Gleichzeitig nimmt er seine Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Zeitreise, die, wenn man die ein oder andere Andeutung richtig versteht, für den Autor noch lange nicht zu Ende ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare