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Festival „stromern“

Andere nicht in eine Schublade stecken

  • VonAndrea Pollmeier
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Gespräche über Antisemitismus und migrantische Literatur bei „stromern“

Heiße-Eisen-Themen sollten an diesem Tag eigentlich gegen den Strich gebürstet werden. Weder sollte es primär um Antisemitismus gehen, noch um klischeehaft übergestülpte Kategorien wie beispielsweise die der „postmigrantischen Literatur“. Doch es ist schwer, sich dem Sog gegenwärtiger Debatten zu entziehen, vor allem, wenn die Bücher selbst, aus denen gelesen wird, dem Zeitgeschehen ungewöhnlich nahe gerückt sind.

Der zweite Abend im Rahmen des Festivals „stromern“, das vom Hessischen Literaturform noch bis Sonntag im Haus am Dom ausgerichtet wird, begann mit einem von Christian Dinger moderierten Austausch über jüdisches Leben in Deutschland. Er nimmt auf dem Podium zwischen Levi Israel Ufferfilge und Barbara Honigmann Platz. Beide Gesprächspartner haben in diesem Jahr Werke publiziert, in denen sie Einblick in den jüdischen Lebensalltag vermitteln. „Unverschämt jüdisch“ ist die Diskussion überschrieben, so lautet auch der Titel von Honigmanns neuestem, im Hanser Verlag erschienenen Buch, für das sie in diesem Jahr mit dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet wurde.

Unter welchen Bedingungen findet gegenwärtig jüdisches Leben in Deutschland statt? Die Frage, die oft reflexhaft Erinnerungen an diskriminierende Situationen wachruft, sollte an diesem Abend den Blick zunächst nicht auf Schmerzhaftes lenken, sondern die alltägliche Lebenspraxis der jüdischen Traditionen sichtbar machen.

Die westfälische Diaspora

Dies ist Levi Israel Ufferfilge auf besondere Weise gelungen. Leise, mit überwältigendem Wissen und fein nuancierten Worten beschreibt der Autor, der im Tropen Verlag sein Buch „Nicht ohne meine Kippa. Mein Alltag in Deutschland zwischen Klischees und Antisemitismus“ publiziert hat, unter welch schwierigen Umständen er in der westfälischen Diaspora seine religiöse Verbundenheit entwickelt hat. Auch familiäre Spannungsfelder waren Teil dieses Weges. Sein Vater, der sich zwar selbst als Atheist begreift, habe ihn dennoch regelmäßig zwei Stunden zur Synagoge nach Münster gefahren und seine jüdische Bildung voll unterstützt, in seinem Leben selbst jedoch nie eine Synagoge betreten.“ 

Auch Barbara Honigmann hat auf eigenständige Weise Zugang zur jüdischen Religion entwickelt. Ihre Eltern waren beide nicht religiös. Doch dieses Hin und Her der Generationen, ihre wechselnde Nähe beziehungsweise Distanz zur Thora seien für die lange, 1700-jährige Geschichte des Judentums nicht ungewöhnlich. Weltweit gebe es gegenwärtig eine Bewegung, die das traditionalistische Judentum hinterfrage und Wege hin zu einem „modern-orthodoxen“ Judentum suche, erzählt die Autorin.

Reflexhaft zugeordnet

In der folgenden Gesprächsrunde über das „Wir und die Anderen – Exil. Fremdheit. Solidarität“ treffen Asal Dardan und Shida Bazyar zusammen, das Gespräch wird von Miryam Schellbach moderiert. „Elefant im Raum“ sei, so Schellbach gleich zu Beginn, die Versuchung, literarische Texte von Autorinnen, deren Familien äußerlich erkennbar aus einem Land wie beispielsweise dem Iran nach Deutschland kamen, vor allem hinsichtlich ihrer politischen Aussagen zu diskutieren. Mit dieser politischen „Markierung“ würden sie in Literaturpreislisten reflexhaft einer identitätspolitischen Gruppierung zugeordnet.

Dies erlebte gerade Shida Bazyar, die mit ihrem Roman „Drei Kameradinnen“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch) für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2021 nominiert worden ist. Auch Asal Dardan, deren Essayband „Betrachtungen einer Barbarin“ (Verlag Hoffmann und Campe) für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert ist, musste sich mit diesen Zuweisungen auseinandersetzen.

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