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„Drei Fliegen. Über Gedichte.“

An der Zimmerdecke schlafen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Vernunft der Fantasie: Nico Bleutges Band „Drei Fliegen“.

Ein Begleiter fürs Lesejahr könnte Nico Bleutges Band „Drei Fliegen“ sein, in dem der 1972 geborene Lyriker zwar vornehmlich auf Gedichte und gelegentlich auf Prosa schaut. Zugleich ist das aber eine Schule der Wahrnehmung und Erinnerung: Es zeigt sich von Text zu Text klarer, dass weite Teile des Denkens und Nachdenkens über Literatur auf Wahrnehmung und Erinnerung basieren. Und umgekehrt das Nachdenken diese in Gang setzt.

„Drei Fliegen“ ist voller Epiphanien, die ansteckend wirken können, und wenn sie es nicht tun, sind sie immer noch interessant genug. Das reicht vom Treppenhaus als einem der „magischen Orte“ der Kindheit (Lutz Seiler) bis zu einem Unfall, an den sich Bleutge haargenau erinnert und über den er dennoch (gerade deshalb) nicht schreiben kann. Fulminant der Text (an sich eine Erzählung) über die abgrundtiefe Beschämung, von den Großeltern getadelt zu werden, weil man sich nicht bedankt hat.

Oft spielen Bleutges Überlegungen an den Rändern des Schlafes, wo auch die Angst vor dem bucklicht Männlein ihren Platz hat. Die meisten von uns sind sie nicht losgeworden (ohne die vageste Vorstellung davon zu haben, was ein bucklicht Männlein sein soll – bestimmt kein kleiner Mann mit einem Buckel).

Buchinfo

Nico Bleutge: Drei Fliegen. Über Gedichte. C. H. Beck. 326 S., 24 Euro.

Die Texte stammen aus verschiedenen Zusammenhängen und mindestens 15 Jahren, einige wurden bereits veröffentlicht – Lob- und Dankesreden, gleichermaßen präzise und zugeneigt, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel –, andere hat Bleutge offenbar hineinkomponiert. Der Untertitel „Über Gedichte“ erfasst, worum es dem Autor zu tun ist, wenn er auch ein wenig untertrieben erscheint. Aber was heißt untertreiben. Bleutge macht deutlich, dass Literatur und erst recht die dafür, so der Autor, besonders geeignete Lyrik versuche, „der Vielschichtigkeit der Welt mit der Vielschichtigkeit ihrer Struktur zu antworten“.

Lehrreich in diesem Zusammenhang, wie Bleutge bei der eigenen Lektüre ohne Scheu mit spontanen Eindrucken beginnt – und mit bodenständigen Fragen. „Kann man an der Zimmerdecke schlafen?“, heißt es zu Elizabeth Bishops „Sleeping on the Ceiling“, aber auch: „Staune, lass dich ein!“

Die titelgebenden Fliegen – nicht die einzigen im Band – sind von Jacques de Gheyn II. Das Blatt kann stante pede in der digitalen Sammlung des Städels angeschaut werden.

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