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Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre in Rio, 1960.
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Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre in Rio, 1960.

Simone de Beauvoir

Alois Prinz „Das Leben der Simone de Beauvoir“: Die Frau, die kam und blieb

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Rassismus, Kolonialismus, Feminismus – keines der heute brandaktuellen Themen, das nicht schon von der französischen Ikone durchdacht worden ist. Eine Biografie über Simone de Beauvoir

Wer als junger Mensch in den 60er und 70er Jahren sozialisiert wurde, kam nicht umhin, sich irgendwann mit der Lebensweise des französischen Intellektuellenpaares Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre auseinanderzusetzen. Ihr Leben oder das, was man darüber zu wissen meinte, wurde zum Vorbild oder zum Gegenstand heftiger Ablehnung. Ihre lebenslange Beziehung gilt heute als Modell einer geistigen und emotionalen Bindung, in der doch jeder seine Persönlichkeit zu entfalten vermochte. Für Risiken und Nebenwirkungen gab es keine Packungsbeilage.

Simone der Beauvoir und Jean-Paul Sartre blieben ein Leben lang beim distanzierten Sie. Obwohl oder weil ihre Verbindung früh auf Dauer angelegt war, duldeten sie wechselnde Partnerschaften. Einige Liebschaften Sartres mündeten später in engen Freundschaften zwischen Beauvoir und der anderen, ihr erster, 1943 erschienener Roman „Sie kam und blieb“ handelte von einer ebensolchen Dreiecksbeziehung.

Gemeinsam lehnten sie bürgerliche Lebensweisen ab, die meiste Zeit wohnten sie in billigen Hotels, Eigentum, von ein paar Büchern abgesehen, galt als verpönt. Geld, das übrig bleibt, war für Sartre ein Ärgernis, immer wieder unterstützten sie in den anhaltenden Phasen ihres Ruhms und Reichtums junge Kollegen oder politische Projekte. Sie machten sich nichts aus ihrer Berühmtheit, die sie allerdings durch ihre permanent öffentlich verhandelten Haltungen und Ideen weiter anhäuften.

Das Buch:

Alois Prinz: Das Leben der Simone de Beauvoir. Insel Verlag 2021. 302 Seiten, 24 Euro.

Die große Autobiografin

Ist vor dem Hintergrund vieler zehntausend Seiten, die als autobiografisch durchgehen, selbst wenn diese nicht als solche gekennzeichnet sind, eine weitere Biografie angebracht? Noch dazu eine, die erstaunlich schmal ist und sich konventionell-chronologisch am Leben der 1908 geborenen und 1986 gestorbenen Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir orientiert.

Der Literaturwissenschaftler Alois Prinz geht das Risiko ein, angesichts der Stofffülle in Bezug auf philosophische Fragen des Existenzialismus und einer sich von der Emanzipationsbestrebung zum Feminismus politisierenden Bewegung als Autor eines unterkomplexen Konzentrats betrachtet zu werden. Und tatsächlich wird man dieses Buch nur mit Gewinn lesen, wenn man es als Zettelkasten zu einer fortgesetzten oder neu aufzunehmenden Primärlektüre begreift.

Dann aber wird deutlich, wie viele der heute virulenten Debatten – Rassismus, Kolonialismus, Geschlechterpolitik, Cancel Culture – durch dieses Jahrhundertleben hindurchgegangen sind. Lernen ließe sich daraus auch, dass die Inspirationskraft der Simone de Beauvoir aus ihrem unbändigen Drang zum Wissen hervorgegangen ist und der Bereitschaft, Widersprüche in Literatur zu verwandeln, in der sich ihre Ideen erprobten.

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