Suhrkamp

Alles nach Plan bei Suhrkamp

  • schließen

Der Verlag wird zur Aktiengesellschaft, die Darmstädter Familie Ströher steigt mit ein.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht am 19. Dezember den Weg frei gemacht hat für die Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft, hat der Verlag nun seine künftige Struktur bekanntgegeben. Die Chefin des Suhrkamp Verlags, Ulla Unseld-Berkéwicz, wird sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und in den Aufsichtsrat der neugeschaffenen Aktiengesellschaft wechseln. Alleiniger Vorstand des Verlags wird der bisherige Geschäftsführer Jonathan Landgrebe (37). Damit läuft für Ulla Unseld-Berkéwicz offenbar alles nach Plan. Der „Zeit“ erklärte sie in einem Interview: „Wir waren uns einig darin, dass er im Lauf der Zeit immer mehr verlegerische Aufgaben übernehmen soll. Er hat die letzten Jahre mit mir durchgefochten und stand auf andere Weise genauso im Feuer wie ich.“

Dem Vorstand Landgrebe wird ein Geschäftsleitungsgremium aus drei bis vier Personen zur Seite stehen. Bisher benannt sind: Cheflektor Raimund Fellinger, Unternehmenssprecherin Tanja Postpischil und der Kaufmännische Leiter Gerhard Schneider.

Sie greifen Suhrkamp unter die Arme

Die für die ökonomische Sicherung des Verlags entscheidende Nachricht ist der Einstieg der Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher. Sie kommt freilich nicht unerwartet. Die milliardenschweren Wella-Erben, das Ehepaar Ulrich und Sylvia Ströher, wie deren Großvater, der Wella-Gründer Franz Ströher, passionierte Kunst-Sammler, hatten schon 2013 eine Firma namens SAF gegründet – zu dem alleinigen Zweck, Suhrkamp unter die Arme zu greifen. Sie zahlte die wegen der trickreichen Insolvenz des Verlags blockierten Honorare der Autoren.

Das Engagement des kunstsinnigen Ehepaars hat eher mäzenatische als gewinnorientierte Motive, so dass Suhrkamp in naher Zukunft von Konflikten wie die mit dem bisherigen Minderheitseigentümer Hans Barlach verschont bleiben könnte. Die Mehrheit der Aktien gehört den Angaben des Verlags zufolge künftig der Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz und der Familie Ströher gemeinsam. Die Stimmrechte ihrer Aktien seien vertraglich gebündelt, hieß es. In diesem Bündnis verfügt die Familienstiftung, also Ulla Unseld-Berkéwicz, über die Stimmrechtsmehrheit und kann so auch fortan die Geschicke des Verlags lenken.

Sylvia Ströher dagegen erklärte, keinen Einfluss auf die Verlagspolitik nehmen zu wollen. Die Beteiligung an der Suhrkamp AG liege außerhalb ihrer sonstigen Anlagestrategie und ist somit auch mit keiner Dividendenerwartung verbunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion