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Der Autor Uwe Timm.

Uwe Timm

Alles ist biografisch

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Der Schriftsteller Uwe Timm im Frankfurter Literaturhaus über Kritik, den Soli und Werder-Siege.

Leidet Uwe Timm unter Kritik an seinen Büchern? Als sein erster Roman erschien, „Heißer Sommer“, 1974, habe es zuerst einen brutalen Verriss gegeben, sagt Timm, und als er Alfred Andersch gegenüber klagte, habe dieser ihm geraten: Wenn er sich das so sehr zu Herzen nehme, dann müsse er aufhören zu schreiben. Bald darauf habe er Andersch wiedergetroffen, mit Schaum vorm Mund angesichts einer schlechten Besprechung. Das habe ihm sehr geholfen, so Timm im Literaturhaus Frankfurt, wo er jetzt mit dem Literaturwissenschaftler Torsten Hoffmann über das Leben als Autor sprach, und seinen neuen Roman „Ikarien“. Ein Projekt, das er seit 1978 verfolge, für das es aber an Geld und einem konzeptionellen Ansatz gefehlt habe.

Hoffmann und er legten einige Stränge und Ebenen des vielschichtigen Buches offen, im Zentrum die Geschichte des ehemaligen Sozialisten und NS-Eugenikers Alfred Ploetz, tatsächlich auch der Großvater seiner, Timms Frau. Sein Schreiben, sagte Timm, sei immer biografisch geprägt. Literatur, erklärte er, müsse heute aus seiner Sicht und angesichts der Weltereignisse politisch sein. Von einem Roman verlange er „ein kognitives Durchdringen der Wirklichkeit“. Wenn Timm vorliest, hört man eher einem Menschen beim Denken als beim Lesen zu.

Hoffmann fragte auch nach der in den vergangenen Tagen vielfach veröffentlichten Agenturmeldung, Timm rate zur Umleitung des Soli nach Afrika. Dies habe er jetzt zwar in einem Interview wiederholt, aber schon vor Jahren in einem Essay im Band „Montaignes Turm“ (2015) geschrieben. Dass die Wege, auf denen Dinge sich verbreiten oder nicht, auch im Roman eine Rolle spielen, passte gut dazu.

Hoffmann brachte das Gespräch schließlich auf Werder Bremen, Timms Lieblingsverein. Hoffmann und Timm unterhielten sich über große Werder-Siege und wussten, wer wann wie den Siegtreffer erzielte. Dass beider Nachkommen zum Teil für Bayern München sind, kommentierten sie so liebevoll, wie Menschen über Nachkommen sprechen sollten. Man staunt immer wieder, wie lebhaft ohnehin schon lebhafte Gespräche erst recht beim Thema Fußball werden.

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