1. Startseite
  2. Kultur
  3. Literatur

Aller Aufregung Ende

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Judith Hermann, die jetzt mit ihrem Roman "Aller Liebe Anfang" im Literaturhaus Frankfurt zu Gast war.
Judith Hermann, die jetzt mit ihrem Roman "Aller Liebe Anfang" im Literaturhaus Frankfurt zu Gast war. © imago stock&people

Judith Hermann liest im Frankfurter Literaturhaus aus ihrem ersten, erregt diskutierten Roman „Aller Liebe Anfang“. Und alles Betriebsgetöse weicht der Ruhe und der Aufmerksamkeit.

Es gab eine gewisse Aufregung um den neuen, ersten Roman von Judith Hermann, unter anderem weil in der FAZ stand, sie könne nicht schreiben und habe nichts zu sagen.

Das klingt, zumal es die Rezension eröffnete, spektakulärer als es ist: Letztlich eine Behauptung nämlich, die man über viele beruflich schreibende Menschen äußern kann. Sie lässt sich auch immer belegen. Außer vielleicht bei Kafka.

Das Getümmel, das folgte, sagte jedenfalls weniger über das Buch „Aller Liebe Anfang“ und mehr über Literaturkritiker und krasse Erwartungen an eine Autorin, die mit dem Erzählungsband „Sommerhaus, später“ (1998) sofort furchtbar berühmt wurde. Und furchtbar dürfte hier das richtige Wort sein.

Die Lesung im Frankfurter Literaturhaus, früh ausverkauft, sprach eine andere Sprache. Für den Fischer-Verlag war Programmgeschäftsführer Jörg Bong da.

Er zitierte aus den reichlich vorhandenen positiven Besprechungen, wies auf Judith Hermanns internationale Erfolge hin, gratulierte zum soeben zugesprochenen Erich-Fried-Preis und sagte schließlich einen jener Sätze, der gute von schlechten Verlagsvertretern auf immer trennt: Judith Hermann, sagte er, gehöre zum „innersten Kern des Verlags“.

Judith Hermann sagte daraufhin, sie sei nach „in vielerlei Hinsicht turbulenten Wochen“ nun guter Dinge und froh, jetzt in Frankfurt bei ihrem Verlag zu sein. Und las in der ihr eigenen, gleitenden, gleichmäßigen, aber durchaus glimmenden Art vor, wie Stella, eine Figur aus der zentralen Mutter-Vater-Kind-Konstellation einen Apfel isst (langsam und konzentriert, „wie eine Gegenwehr“), mit ihrer Freundin Clara telefoniert, über ihren Mann Jason und ihren Stalker Mister Pfister nachdenkt.

Ihr Mann Jason ist wie meistens abwesend. Ihr Stalker Mister Pfister wirkt wie meistens so, als hätte er alle Zeit der Welt. Er beeindruckt Stella, darf man argwöhnen, hier bereits mehr, als es ein Stalker tun sollte. Mister Pfister ruft nachts an. Stellas Kind Ava muss in den Kindergarten.

Stella ist bei der Arbeit als Pflegerin zu erleben, bei der sterbenden Julia und deren freundlichen Mann Dermot. Es passiert nicht viel, es ist unheimlich interessant.

Große Ruhe breitete sich im Saal des Literaturhauses aus, eine grundlegende Unaufgeregtheit, die sich zu Spannungslosigkeit abzugrenzen wusste. Die Lesung hätte keineswegs enden müssen, tat es dann aber doch.

Literaturhauschef Hauke Hückstädt war zwar nicht da, sondern im Kreißsaal, ließ aber herzlich grüßen. Hoffentlich ist alles hervorragend gut gegangen.

Auch interessant

Kommentare