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„Alle Welt zu Tisch“ – Fernwehs Futter

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Von: Judith von Sternburg

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Äthiopien: Sich gegenseitig Happen reichen beim Gursha.
Äthiopien: Sich gegenseitig Happen reichen beim Gursha. © Moritz

Über das „Essen, Kochen, Schmecken“.

Man wird sicher testweise zuerst ein Land nachschlagen, in dem man sich gut auskennt. Nehmen wir einmal: Deutschland. Hier gibt es ein Käsespätzle- und ein Kartoffelsalat-Rezept. Und Erläuterungen zu Wurstsorten und Klößen. Und den zwingenden Hinweis auf Spargel. Dass das klingt wie ein geballtes Klischee, heißt nicht, dass es nicht wahr wäre, im Gegenteil kommt das gut hin. Zumal jetzt noch Döner und Pizza ins Bild rücken – was soll man sagen, damit ist doch fast alles beisammen.

Voller Vertrauen wird man sich nun Kaymakli Kayisi Tatlisi und Kuku Sabzi, Onigiri und Bánh xèo, Opor Ayam und Alfajores, Tilslorte Bondepiker und Meggyleves, Bastila und Umm ali zuwenden. Es wird bald klar, wie international bekannt viele Küchen sind, aber keineswegs alle. Denkt man jedenfalls, bis man ins Internet schaut. Egal.

Das Buch

A. & D. Mizielinscy / N. Baranowska: Alle Welt zu Tisch. Das große Buch vom Essen, Kochen, Schmecken. Moritz. 114 S., 29 Euro. Ab acht Jahren.

Auch das neue Buch des polnischen Paares Aleksandra und Daniel Mizielinscy, diesmal gemeinsam mit Natalia Baranowska (die an den Texten mitschrieb), ist eine Augenweide, um nicht zu sagen ein Augenschmaus. „Alle Welt zu Tisch“ erweist sich zudem, wie die anderen enzyklopädischen Bände der Mizielinscys, als Fundgrube. Auf den ersten Blick wimmelig, auf den zweiten gut sortiert.

26 Länder, ein Drittel davon in Europa, so dass für den hochinteressanten Rest der Welt doch einiges übrig bleibt. Pro Land zwei Doppelseiten, zu historischen Zusammenhängen (das Essen ist ein treffliches Beispiel dafür, dass man ohne Blick zurück die Gegenwart nicht versteht), zu Zutaten, Zubereitungen, Sitten. Thomas Weilers Übersetzung albert gerne mit, „Roh macht froh“, „ohne Kloß nix los“, aber man lernt eine Menge. Wissen wirklich alle, weshalb in Deutschland so viel Roggenbrot gegessen wird?

Fernweh macht sich breit, aber dank der Rezepte kann man dagegen ankochen. Zum Träumen lädt der Band eh ein.

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