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Sie kannte sie alle: Gabriele Henkel, hier bei einem Empfang 2011, legt ihre "Erinnerungen" vor.
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Sie kannte sie alle: Gabriele Henkel, hier bei einem Empfang 2011, legt ihre "Erinnerungen" vor.

High Society

Alle ihre prominenten Freunde

  • VonMartin Oehlen
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Konfetti und Melancholie: Die "Erinnerungen" der Düsseldorfer Kunstmäzenin Gabriele Henkel.

Damit hätte der Prinz rechnen müssen. Als Johannes von Thurn und Taxis einmal spontan in der Düsseldorfer Chamissostraße 9 vorbeischaute, kam er zur Unzeit: „Konrad hatte gerade Besuch von Jürgen Ponto und war mit dem Vorstandssprecher der Dresdner Bank in geschäftliche Dinge vertieft. Ich saß mit dem Philosophen Theodor Adorno beim Tee im Salon, und wir sprachen über Musik.“ Der Prinz verzog sich kopfschüttelnd in den Garten. So steht es geschrieben auf Seite 125 der „Erinnerungen“ von Gabriele Henkel – und an dieser Stelle weiß der Leser schon längst, dass fast alles, was in den vergangenen Jahrzehnten Rang und Ruhm hatte, bei den Henkels („Persil“, „Pril“, „Fa“) ein- und ausgegangen ist.

Sie wolle sich mit dieser Autobiografie kein Denkmal errichten, schreibt Gabriele Henkel gleich im ersten Satz. Doch dass sie stolz ist auf die „gesellschaftliche Bühne“, die sie in ihrem Haus errichten konnte, steht außer Frage. Ihre Kunst der Zusammenführung von Menschen verschaffte ihr sogar eine Honorarprofessur für Kommunikationsdesign an der Universität Wuppertal. Am Anfang und am Ende des Buches wird diese Würdigung betont.

Hoch her ging es nicht selten auf den Festen der Gabriele Henkel. Da flogen auch schon mal venezianische Gläser („gefüllt mit Champagner“) an Gemälde flämischer Manieristen. Doch den besonderen Touch bekamen ihre Einladungen durch die jeweilige Raum-Dekoration. So gab es für den Ferrari-Fan Frank Stella eine Carrera-Bahn quer über den Tisch, für Henry Kissinger wurde das Ambiente in „La Traviata“-Rot getunkt und Modeschöpfer Karl Lagerfeld durfte sich an Platztellern in Knopfform erfreuen. Der Bildband „Tafelbilder“ aus dem Jahre 1990 zeugt von dieser Ausstattungs-Kunst. Das seien Bühnenbilder, ja, Installationen gewesen. Joseph („Jüppchen“) Beuys habe gesagt, Gabriele Henkel möge diese signieren. Günter Krämer gar wollte, als er Kölns Generalintendant war, sie als Bühnenbildnerin gewinnen: „Sie müssen meinen „Parsifal“ machen.“

Jeder Facebook-Fan könnte neidisch werden, zählte er einmal nach, auf wie viele Freunde sich Gabriele Henkel beruft. Fast möchte man wetten, dass kein Hauptwort in ihrem Buch häufiger vorkommt als eben dieses: „Freund“. Tatsächlich geht es dabei in erster Linie um die männliche Variante. Einige Freundinnen sind zwar auch dabei. Aber was sind sie gegen all die Männer, namhafte Männer zumal, die sich zu Gabriele Henkel hingezogen fühlten – von Helmut Schmidt bis Axel Springer, von Giovanni Agnelli bis Andy Warhol. Der Verleger Joseph Caspar Witsch brachte „fast täglich“ ein Buch vorbei. Mit Herbert von Karajan fuhr sie gerne Ski. Eugène Ionesco erklärte, „in meinen Armen sterben zu wollen“. Kaufhauskönig Helmut Horten schickte Geschmeide und hellgrauen Nerz. Jasper Johns war der erste, der sie in Manhattan im Krankenhaus besuchte, als sie eine schwere Verbrennung erlitten hatte. Theatergenie Bob Wilson machte ihr auf Bali einen Heiratsantrag. Opernintendant Rolf Liebermann wollte ein Kind mit ihr zeugen. Die erste Begegnung mit Jerusalems Bürgermeister Teddy Kollek war „Liebe auf den ersten Blick“. Nur bei einem funkte es nicht: „Peter Ludwig war ein verschlossener, verschwiegener Mann. Niemand ... konnte sich rühmen, sein Freund zu sein.“

Und der Ehemann? „Konrad nahm es gelassen, wenn andere Männer mir den Hof machten. Er genoss es sogar. Er empfand es als Bestätigung, dass er die richtige Wahl getroffen hatte.“ Beim Karneval in Bonn hatten sie sich kennengelernt – die Journalistin, eine 1931 geborene Tochter des Chefarztes Theodor Hünermann, und der Fabrikanten-Sohn, 1915 geboren, der im Trapper-Kostüm auf sich aufmerksam machte.

Im Jahre 1955 wurde geheiratet. Und als Sohn Christoph zur Welt kam, musste die „bescheidene“ Junggesellenwohnung für ein größeres Haus aufgegeben werden: Gabriele Henkel flog nach Los Angeles und bat den Architekten Richard Neutra um einen Entwurf. Damit – so scheint es – ging es los: Die Prominenten, zumal die aus Kunst und Politik, wurden zu Henkels Lebenselixier. Zudem kaufte sie Kunst für die Sammlung des Konzerns. Und 1972 wurde sie Mitglied im Internationalen Beirat des Museum of Modern Art in New York. Nur gestreift wird in ihrer zuweilen etwas sprunghaften Autobiografie der RAF-Terror, von dem auch Konrad Henkel bedroht war, ebenso die Parteispendenaffäre, der er schadlos entkam. Von zerbrochenen Freundschaften ist nicht die Rede.

Trotz des Konfettis, das Gabriele Henkel mit beiden Händen verstreut, ist diese Autobiografie von einer tiefen Melancholie geprägt. Nicht nur fehlt ihr der 1999 verstorbene Konrad Henkel. Auch viele Freunde leben nicht mehr. Zudem passiere nicht mehr „so wahnsinnig viel Aufregendes“ in ihrem Leben, schreibt sie. Ihre Gemütslage: „Ich bin oft einsam.“

Gabriele Henkel: Erinnerungen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017. 240 Seiten, 25 Euro.

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