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Alchimisten und Tulpenzwiebelspekulanten

Zwei historische Abenteuerromane entführen ins Reich der Schwarzen Kunst und ins Amsterdam des 17. Jahrhunderts

Von SIMONE LEINKAUF

Zeitmaschinen wären schön, dann könnte man sich selbst auf den Weg in vergangene Zeitalter machen. Mangels solcher Zeitmaschinen sind wir auf Berichte von Zeitzeugen angewiesen oder aber auf historische Romane, deren Autoren auf geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreifen. In erster Linie unterhalten sie, in zweiter Linie vermitteln sie Wissen.

Dr. Johann Faust hat Schriftsteller und Geschichtsschreiber über Jahrhunderte hinweg immer wieder beschäftigt. Rund 300 Jahre nach seinem Aufsehen erregenden Leben wird seine Geschichte als Menschheitsdrama formuliert, durch keinen geringeren als den Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Vorbild für den Goetheschen Faust war der um 1480 in Süddeutschland geborene Schwarzkünstler Faust, der auch als Arzt, Astrologe und Magier auftrat und immer damit rechnen musste, der Ketzerei angeklagt zu werden.

Uschi Flake nun zeichnet den Lebensweg des Alchimisten in Hannah und der Schwarzkünstler Faust nach. Erzählt wird aus der Perspektive von Hannah, die, nachdem ihre Mutter als Hexe verbrannt wurde, von dem damals 26-jährigen Faust aufgelesen wird. Fortan reist Hannah, als Junge verkleidet, mit Faust durch die Lande - immer auf der Flucht vor der katholischen Kirche, die Fausts Streben nach Wissen als Aufbegehren gegen Gott interpretiert.

Flake bezieht sich in ihrem Buch auf Originalquellen der Zeit und versucht ein möglichst realistisches Bild des ausgehenden Mittelalters zu vermitteln. Für Hannah sind die Jahre mit Faust ganz offensichtlich das Abenteuer ihres Lebens, und so schreibt sie noch im Alter heimlich nieder, was sie von ihm gelernt hat. Ihre Aufzeichnungen wirken zunächst wirr, an manchen Stellen nahezu unverständlich - und verleihen der Geschichte gerade dadurch Spannung.

In ein gut recherchiertes historisches Abenteuer entführt auch V.A. Richardson seine Leser: in Das Haus Windjammer. Diesmal geht es nach Amsterdam in das Jahr 1636. Nach einem schweren Sturm, der die gesamte Handelsflotte der reichen Kaufmannsfamilie Windjammer vernichtet, droht der Ruin. Während der Verhandlungen mit seinen Gläubigern bricht das Oberhaupt des Hauses Windjammer tot zusammen. Und von einem Moment auf den anderen liegt die gesamte Verantwortung für die Familie bei dem 14-jährigen Adam. Sein Onkel August erweist sich als unfähig, und auch der von seinem Vater so hoch geschätzte Buchhalter Gerrit scheint ein dunkles Geheimnis zu haben. Und so vertraut Adam nur Jade, ausgerechnet der Tochter seines erbittertsten Widersachers. Als letzte Hoffnung zur Rettung des Familienvermögens bleibt die Spekulation mit Tulpenzwiebeln...

Richardson erzählt die Geschichte vom unverschuldeten Niedergang der Kaufmannsfamilie unsentimental. Seine Helden müssen Kompromisse eingehen, die in Fantasy-Romanen, in denen den Helden alles gelingt, nicht möglich wären. Aber genau das macht auch die Stärke dieses Romans aus.

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