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Alina Bronsky.
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Alina Bronsky.

„Der Zopf meiner Großmutter“

Achten Sie auf den armen Tropf!

  • Petra Kohse
    VonPetra Kohse
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So berührend wie überraschend: Alina Bronskys Roman „Der Zopf meiner Großmutter“.

Zu Mäxchens sechstem Geburtstag hat seine Oma eine Schokoladentorte mit drei Schichten gebacken. Sie schmeckt wunderbar, aber Mäxchen selbst greift zur Verwunderung der Gäste nicht zu. „Achten Sie nicht auf ihn, liebe Nina und Ninas Tochter“, erklärt die Großmutter. „Ich habe dem armen Tropf hier einen Apfel gerieben, er kann leider nichts anderes verdauen. Mir bleibt auch nichts erspart!“

Mäxchen auch nicht. Er heißt eigentlich Maxim und ist mit seinen Großeltern aus Russland nach Deutschland gekommen. Im Wohnheim leben sie unter russischen Juden, obwohl sie selbst nicht jüdisch sind bzw. nicht wirklich bzw. nicht alle. Aus Alina Bronskys neuem Roman „Der Zopf meiner Großmutter“ darf man nicht zu viel verraten, denn das Was ist in diesem Buch die Hauptsache, und es ist so berührend wie überraschend.

Die Großmutter also, Margarita Iwanowna, genannt Margo. Dazu Maxim, der tartarische Großvater, der Tschingis heißt, und Nina, die Nachbarin im Wohnheim, eine Klavierlehrerin, in die sich Tschingis zu Beginn des Buches schon verliebt hat. Margo, die erst um die fünfzig sein dürfte, ist ein weiteres Großmuttermonster aus der Bronskyschen Feder, das man nicht so schnell vergessen wird. Schon in „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“ (2010) beeindruckte das Miteinander von boshafter Ungerührtheit und zärtlichster Leidenschaft der Tartarin Rosalinda.

Margo nun ist ein Ausbund an Ungerechtigkeit und Anmaßung. Sie ist voller Vorurteile, hoch neurotisch, hochnotpeinlich – und zugleich herzensgut und von einer Tapferkeit, die einem die Träne ins Auge treibt. Wer eine Kindheit in solcher Obhut übersteht, hat im Leben nichts zu fürchten.Tatsächlich wird aus dem angeblich ständig vom Tode bedrohten Mäxchen im Laufe der Erzählzeit ein kluger Teenager, der weiß, dass sich nur der ein Herz fassen kann, der auch eines hat.

Alina Bronsky kam selbst als Kontingentflüchtling vom Ural nach Deutschland. Erst mit dreizehn Jahren lernte sie Deutsch, und seit 2008 veröffentlicht sie Bücher. Sicherheitshalber unter Pseudonym, denn „etwas so Persönliches wie ein Buch“ soll dann wohl nicht auch noch namentlich auf ihre Herkunftsfamilie verweisen.

Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019. 224 S., 20 Euro.

Dass es in der Literatur mittlerweile ein breites Allgenerationensegment gibt, kommt Bronsky entgegen, denn die 1978 geborene vierfache Mutter legte schon mit ihrem Erstling „Scherbenpark“ (2008) über ein 17-jähriges Mädchen, das miterleben muss, wie ihre Mutter erschossen wird, kein reines Jugendbuch vor. Neun weitere Veröffentlichungen folgten, darunter ein Bilderbuch sowie das Sachbuch „Die Abschaffung der Mutter“ (mit Denise Wilk, 2016), in dem Bronsky für einen gesellschaftlich entspannten Umgang mit Mutterschaft eintritt.

„Der Zopf meiner Großmutter“ ist im allerbesten Sinne ein Unterhaltungsroman. Heiter-absurder Umgang mit gesellschaftlichen Problemlagen. Es kommt zu einer Geburt, einer Beerdigung, eine Tanzschule wird eröffnet, und an dem Tag, als Maxim endlich den gefürchteten „Roten Juden“ kennenlernt, kann er ihn leider nur verschwommen sehen – der Tee aus Margos Thermoskanne hatte etwas scharf geschmeckt, aber ziemlich gut.

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