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Fotobuch

Abschied von Europa

Robert Franks englische Fotografien

Als Les Américains 1958 in Paris erschien, war Robert Frank bereits seit zehn Jahren ein Fotograf, der von seinen Veröffentlichungen lebte. Da sein Nachlass zu Lebzeiten niedergelegt ist in der National Gallery of Art in Washington, D.C., wundert man sich, wie wenig aus dem Frühwerk publiziert wird. Vor einigen Jahren erschien zu seiner Retrospektive die erste Druckfassung eines 1952 erstellten Ringbuchs seiner europäischen Fotografien, Black White and Things, mit Bildern aus drei Kontinenten, aber durchtränkt von europäischer Nachkriegsmelancholie.

London / Wales ist kein authentischer Entwurf von Frank, sondern die Idee eines Kurators bei der Corcoran Gallery (auch in D.C.) namens Philip Brookman. Es folgt einer simplen und schlüssigen Idee, nämlich dass Frank im Londoner Börsendistrikt "die Reichen" und im walisischen Careau "die Armen" fotografierte. Frank, der aus einem Zürcher Kaufmannshaushalt stammte, betrachtet die feinberockten Börsianer mit ihren Melonen und Zylindern als umtriebige Aliens im Metropolennebel. In Careau wählt er einen älteren Bergmann, Ben James, als zentrales Modell, dessen Leben zwischen Pütt und Küche er auf Armlänge untersucht.

So verliebt hat sich Brookman in seine Dichotomie, dass er in die Mitte des Buchs sechs kleine Bilder gestellt hat, die nahtlos den Wechsel von London nach Wales zu dokumentieren scheinen; offenbar ein Zitat aus den Negativ-Kontaktbögen des jungen Fotografen Frank. Der Ausstellungskatalog nennt aber zwei Prints als Quelle, so dass man sich fragt: An welcher schwarzen Naht wurde die Bildfolge denn montiert?

Die Londoner Fotografien sind Franks Versuch, sich mit der Herkunft seiner sehr jungen Ehefrau Mary vertraut zu machen. Die britische upper class bietet das exakte Gegenbild zum Lieblingsthema europäischer Fotografen damals, der Stadt Paris und ihrem visuellen Rausch, der die Bewohner und Besucher bei Tag und bei Nacht erfasste. Das Bild von Wales ist dagegen mehr gesucht als gefunden: Es handelt sich um eine Illustration von Richard Llewellyns Bergmannsroman How Green

Was My Valley (1939). Betörend ist an der Kombination der Motive, dass es in London nie ganz Tag wird, während Wales atmosphärisch untertage bleibt. Frank, der weg will von der eleganten und eloquenten Fotografie seiner Zeitgenossen, findet hier sein Material in den Schwärzen, in den Tiefen, in der Unkalkulierbarkeit von Bewegungen. Die walisischen Fotografien stammen sämtlich vom Anfang März 1953 und beschließen den Versuch der Familie Frank, in Europa heimisch zu werden. Es ist Robert Franks letzter Versuch in einer Bildästhetik, die sich entweder zur Vignette schließt oder zur Anekdote hin öffnet. Man spürt noch soeben die archaischen Bildsprachen von Jakob Tuggener oder Bill Brandt. Nach der Rückkehr auf dem Seeweg, quasi der zweiten Emigration nach New York, lernt Robert Frank Walker Evans kennen. Frank - schon ein reifer Fotograf, aber noch auf der Suche - lernt nun die amerikanische Lektion, die mit der Freiheit des Bildes zu tun hat, seiner ikonischen Dynamik. Als er Amerika zu bereisen beginnt (ein Land, das sich als klassenlos begreift), sind London und Wales solide visuelle Erinnerungen, das Bühnenbild gewissermaßen, vor dem Frank das Bild der "Amerikaner" so eindringlich geschaffen hat. ULF ERDMANN ZIEGLER

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