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Nachts in Frankreich.
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Nachts in Frankreich.

Matthias Wittekindt „Der Unfall in der Rue Bisson“

Aber was spielt denn nun eine Rolle?

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Matthias Wittekindts ungewöhnlicher Kriminalroman erzählt von einer Freundesclique, in der sich jeder schuldig fühlt.

Regelmäßig trifft sich eine Freundesclique, gern nach dem Sport, man trinkt, man plaudert, es gibt darunter einen, der für Stimmung sorgt, der die Konversation am Laufen hält. Und es gibt eine, die an besagtem Abend abseits sitzt. Besagter Abend: Michel bricht auf, setzt sich in seinen schicken alten BMW, überholt einen Lastwagen, fährt gegen einen Baum. Er hatte getrunken, die Sache scheint also klar. Würde sich da nicht die Frage aufdrängen: Warum sollte einer, der als besonnener Fahrer bekannt ist, der außerdem die Strecke gut kannte, kurz vor Ende der Rue Bisson noch überholen wollen? Auch findet die Polizei Lackspuren eines anderen Autos. Auftritt Lieutenant Ohayon, wie immer modisch nicht auf aktuellem Stand, sondern im aufgeblähten Blouson (zu groß, seit er abgenommen hat), „ein freundliches, rundes Gesicht mit kleinen, wachen Augen“.

Keine halblegalen Aktionen

Mit „Schneeschwestern“ begann 2011 Matthias Wittekindts Ohayon-Krimiserie. In Ton und Personal war das von Anfang an eigenwillig. Manchmal lebensphilosophisch, leicht versponnen und damit an Fred Vargas erinnernd. Doch weder zum Grübeln noch zu halblegalen oder eiligen Aktionen neigt dieser Ermittler; wenn er Feierabend hat, geht er nach Hause, mittlerweile zu Frau und Kind. Man kann ihn leicht übersehen, er ist 1,65 und außerdem der eher stille Typ. Aber gewitzt wie Inspektor Columbo: In der Ruhe liegt die Kraft, gewissermaßen.

So beginnt Ohayon also mit der Freundesclique, mit anderen Bekannten oder Verwandten zu sprechen, in Wohnzimmern und anderswo herumzusitzen, ist offen für Informationen, auch wenn sie ihn nicht weiterführen mögen. Der Verunglückte hatte sich schon seit geraumer Zeit verändert, schien nicht mehr so unbeschwert. Aber spielt das eine Rolle? Die eine Frau saß am Abend abseits. Aber spielt das eine Rolle? Ist Alain, der beste Kumpel Michels, nun nervös oder trauert er nur?

Ohayon und seine Kollegen tappen weiter, aber sie – und die Leserin – tappen sehr lange im Dunkeln, ob überhaupt jemand anders diesen tödlichen Unfall verursacht hat. Noch im letzten Fünftel des Buches möchte der Lieutenant „mehr über das Unfallopfer“ erfahren, ist er keineswegs sicher, dass das tatsächlich ein Fall für die Polizei ist. Dieser Krimi umkreist den Abend des Unglücks – der Tat? – ohne Hast und Cliffhanger und kreist ihn dabei langsam ein.

Es geht auch ohnehin weniger um die Tat als darum, wie sich die einzelnen Mitglieder der Freundesclique zu dem plötzlichen Tod verhalten, wie sie sich allemal schuldig fühlen, weil keiner gesagt hat: Mensch, Michel, du hast getrunken, lass dein Auto mal stehen und nimm dir ein Taxi. Oder, schon vorher: Mensch Michel, was ist eigentlich mit dir los, geht es dir nicht gut? Matthias Wittekindts Romane spiegeln das ganz normale, drückebergerische Leben.

Matthias Wittekindt: Der Unfall in der Rue Bisson. Kriminalroman. Edition Nautilus, Hamburg 2016. 224 S., 16 Euro.

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